Sich mit anderen vergleichen: Deswegen macht es uns unglücklich

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Sich mit anderen zu vergleichen ist als Kind ein großer Ansporn, sich weiter zu entwickeln. Als Erwachsene vergleichen wir uns weiterhin, nur scheint es dann ein sicheres Mittel zu sein, um sich unglücklich zu machen.

Warum ist ‚Sich-mit-anderen-vergleichen‘ als Kind so hilfreich – und macht uns als Erwachsene oft so unglücklich?

1. Kinder, die sich mit anderen vergleichen, investieren und gehen Risiken ein

Kinder machen mit Sich-mit-anderen-Vergleichen etwas entscheidend anders:

Sie sehen jemanden, der etwas besser kann als sie selbst und wenn sie merken, das sie das auch können wollen, dann scheuen sie keinen Aufwand und keine Mühen, um das auch zu können. Wenn das heißt, drei Tage am Stück bis zur Erschöpfung die gleichen 5 Treppenstufen hoch und runter zu hüpfen, dabei 20 mal auf die Nase zu fallen, dann tun sie das.

BIS es gelingt.

Damit ist die Situation des ‘Sich-mit-anderen-vergleichen’ nützlich aufgelöst.

Die meisten Erwachsenen machen im Gegensatz dazu etwas zutiefst Masochistisches:

Erwachsene vergleichen sich – sind gleichzeitig nicht bereit, in den Entwicklungsprozess dorthin zu investieren.

Tja, das ist natürlich schön blöd:

Ich will Treppenstufen hüpfen können, übe aber nicht…und bin dann dem Leben gegenüber auch noch beleidigt.

Eine Freundin von mir hatte sich mit diesem Vorgehen nach dem Studium erfolgreich ihren Seelenfrieden zerstört: Zwei Jahre nach unser aller Berufsstart begann sie, Vergleiche über unsere Gehälter anzustellen.

Ergebnis: Sie war beleidigt, weil eine andere Freundin und ich ‘schon so viel verdienten’. Wohlgemerkt: Wir rissen uns auch beide den A… dafür auf und hatten alles andere als zwei entspannte erste zwei Berufsjahre hinter uns. Durch den Vergleich war sie neidisch darauf geworden, war jedoch nicht bereit, etwas dafür zu tun, um das Gleiche zu erreichen.

Diese Kombination aus ‘Sich-mit-anderen-vergleichen’ und ‘nix-dran-tun’ ist ausgesprochen unproduktiv und macht unglücklich.

Und ziemlich häufig der Fall, oder? 😉

Natürlich hat man immer mal einen Moment, da findet man das, was andere tun, sind oder haben, toller als das, wo wir selbst grade stehen.

Er-wachsen sein heißt für mich an dieser Stelle, BEWUSST zu entscheiden:

  • Mit WEM will ich mich vergleichen?
  • An wem will ich mich orientieren?
  • Warum?
  • Und mit wem nicht?
  • Was mache ich konkret daraus?

Als Erwachsener gibt es für den

Umgang mit Sich-mit-anderen-Vergleichen-Anfällen also zwei produktive Wege:

a) Wirklich da hin wollen und was dafür tun.

Hätte meine Freundin das z.B. so gesagt und gelebt, und man hätte gesehen, es ist ihr ernst, dann hätten wir ihr ja sogar helfen können, ihr Ziel zu
erreichen.

b) Oder im Abgleich zu sehen:

‘Ok, heute bin ich da neidisch drauf, aber wenn ich ehrlich bin, ist es mir wichtiger, pünktlich um 19:00 in den Sport gehen zu können. Was soll’s, ich habe eben andere Ziele im Leben.’

Der zweite große Unterschied zwischen dem Sich-mit-anderen-vergleichen als Kind und als Erwachsener ist, dass wir als Erwachsene in unseren Entwicklungen viel schlechter zu vergleichen sind.

2. Als Erwachsene sind sinnvolle Vergleichspunkte schwierig zu finden

Während die Dinge, wegen der sich Kinder vergleichen, noch so schön einfach und universell sind – wie hüpfen oder laufen lernen – sind unsere Vergleichspunkte als Erwachsene meistens individueller und spezifischer. Selbst wenn es um das übliche ‘mein Haus, mein Auto’ geht, ist doch die Realität schwer zu überblicken: Z.B. könnte ich als gut verdienender Mensch jederzeit einen etwas älteren Maserati monatlich leasen – jemand anderes würde vielleicht annehmen, ich müsste dafür irre reich sein. Dabei habe ich mich entschieden, bei der Wohnungsmiete zu sparen…

Überleg’ mal: Wie sinnlos, wenn derjenige denkt, er müsste mir finanziell ‘nachjagen’, wenn es doch eigentlich nur um eine andere Budgetverteilung geht. Oft ist es nicht sinnvoll, überhaupt jemand anderen als Vergleichspunkt zu nehmen, weil der Gesamtzusammenhang bei diesem Menschen im Alter von z.B. 40 einfach viel komplexer ist als bei einem 4-jährigen Kind.

Je mehr Du Dein ganz eigenes Leben lebst, desto weniger wirst Du gute Vergleichspunkte außen finden, weil Deine Träume und Ziele so eigen in ihrer Kombination sind, dass es wahrscheinlich wenige Menschen gibt, die wirklich das gleiche Paket so leben wie Du es vorhast oder tust.

Deswegen habe ich gute Erfahrung damit gemacht, einzelne Menschen und einzelne Punkte an ihrer Person oder ihrem Leben als Inspiration zu nehmen. Z.B. “ich würde mir gern ein Scheibchen von XYs Risikobereitschaft abschneiden.”

3. Wenn Du Dich vergleichst, dann mit Folgen

Vergleich’ Dich ruhig.

Entscheide Dich bewusst, welche Entwicklungsschritte Du selbst auch wirklich gehen willst.

Und dann tu‘ was dafür.

Sei bereit, auf dem Weg 20-mal auf die Nase zu fallen und jedes Mal wieder aufzustehen.

Gib’ Dir damit selbst eine faire Chance, Dich zu entwickeln.

Wenn Du andererseits merkst, dass Du etwas zwar schön fändest, aber es Dir nicht wirklich den Aufwand wert ist, dann sei ehrlich darüber und mach einen Haken dran.

Denk dran:

Das Leben ist schön und vielfältig, weil wir nicht alle das gleiche können und wollen.

 

'Das Leben ist schön und vielfältig, weil wir nicht alle das gleiche können und wollen.' Klick um zu Tweeten[Bild: Kristin Reinbach]

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.