Von „So. Ein. Dreck!“ zu „Aus allem das Beste machen“ – geht das?

Liebe(r) ,
„Dann gehen Sie eben gleich zum Après Ski über. Das mach‘ ich auch immer. Achja, Sie Ärmste, wie heisst’s so schön: Immer aus Allem das Beste machen.“

So waren die weisen Worte der netten Sprechstundenhilfe heute morgen beim Arzt. Das war 5 Minuten nachdem ich nett aber bestimmt mitgeteilt bekommen hatte, dass vor Ende Januar nicht an Skifahren zu denken sei – mit meiner frisch angebrochenen Schulter.

In dem Moment war ich super unglücklich und doch gibt es mir die Gelegenheit, Dir zu zeigen, wie nützlich , ja rettend, es sein kann, einen gut sortierten ‚Werkzeugkoffer‘ zum Glücklichsein zur Hand zu haben.

(Zur Zeit habe ich öfter diese ernsten Themen hier – ich hoffe, das ist ok für Dich! – aber das gehört halt auch zum Leben :))

Jetzt muss man wissen: Ich bin in den Münchner Süden gezogen, WEIL ich dringend näher an den Bergen dran sein wollte. Ich sah mich schon gewohnheitsgemäß am Wochenende, ja vielleicht für den ein oder anderen sündigen Vormittag unter der Woche die Hänge runter-, hoch- und querflitzen, locker und dynamisch durch einen fabelhaften Winter gleitend…..

Letzte Sonntag hat sich das Leben bei dem ersten dieser Wochenendausflüge eben was anderes für mich überlegt, und jetzt hab‘ ich den Salat.

Eine angebrochene Schulter, still gestellter Arm, erstmal kein Sport, Ausfälle in meinen Unternehmen und Projekten.

SO. EIN. DRECK.

Und dann kommt da die Sprechstundenhilfe mit ihrem kleinen, aufmunternden Satz und er bleibt tatsächlich hängen und ich frage mich:

Kann ich das? Kann ich daraus das Beste machen? Wie soll das gehen?

Naja, ich habe es noch nicht ganz geschafft und die nächsten Wochen stehen ja noch bevor, aber überlegen wir mal – gemeinsam, ok? – was helfen könnte.

Zum Glück haben sich in meinem ‚Werkzeugkoffer‘ des Lebens inzwischen ein paar nützliche Ansätze angesammelt.

Ich versuche es heute mit den folgenden 7 Werkzeugen, mal schauen, ob da was passt:

Werkzeug 1: Fake it till you make it

Tu so, als könntest Du das Beste draus machen, dann schaffst Du es auch. Z.B. ist bei mir die Life-Preneur-Community – und damit Du! 🙂 – einen guten Grund, mich am Schopf wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Es ist mir wirklich ein Ansporn und es hilft mir, den Hintern lieber zeitnah wieder hochzukriegen als mich lange noch weiter selbst zu bemitleiden. Allein, der Entschluss, es wenigstens wirklich zu versuchen, auch wenn es erst nicht sehr überzeugend anfühlen mag, das hat bereits geholfen.

Werkzeug 2: Wie geht es Dir konkret JETZT? Geht es Dir wirklich so schlimm?

Faktisch habe ich genug zu essen, zu trinken, warm und so weiter, ich habe keine Schmerzen und 90, naja 95% meines Körpers, meines Kopfs, meiner Sinne, meines Herzens sind absolut ok. Ich kann mich ohne Hilfe anziehen, duschen, etc. Meine Hände sind beide heil und einsatzfähig, ich kann also schreiben und kochen. Ich habe sowohl Menschen, die wollen, dass es mir schnell wieder gut geht, als auch Menschen, die mir wirklich helfen können (eine gute Gesundheitsversorgung – überleg‘ mal – in den USA und vielen anderen Ländern alles andere als selbstverständlich).

Werkzeug 3: Wie kann ich es mir innerhalb der neu gesteckten Grenzen und Möglichkeiten schön machen? (und mich dadurch für meine Tapferkeit belohnen)

Beispiele:

Muss ich wirklich drin im Halbdunkeln am Schreibtisch sitzen – oder kann ich nicht mit einer Decke umgewickelt raus auf den Balkon in die Sonne? Doch, das kann ich.

Muss ich wirklich auf meine geliebte Morgen-Butterbrezel verzichten bloß weil ich dem Leben gegenüber beleidigt bin? Hab‘ ich da was davon? Nein. Heute gibt es die Butterbrezel ERST RECHT.

Werkzeug 4: Was sind die generellen Vorteile der Situation? Und: (Bonus-Frage!) Wenn ich mal davon ausgehe, daß das Leben es gut mir mir meint, was kann ich dann draus machen?

Der Vorteil ist z.B. dass ich weniger Verpflichtungen wahrnehmen kann aber auch akzeptiert ist, dass ich es nicht tun werde.

Der Vorteil ist, dass ich zum Jahresabschluss mehr zur Ruhe kommen kann und nochmal schauen, was eigentlich alles so passiert ist und nicht vor lauter Hetze vergesse wie gut es mir geht.

Und wenn das Leben es wirklich gut mit mir meint, dann wollte es vielleicht, dass ich nicht alle Vorteile meines Lebens auf einmal übereinander staple, die Winterzeit auch so erst mal genieße und mir benötigte Ruhe und Abstand mal gönne. Oder einfach genug Muse habe, ein paar neue Artikel für Euch zu schreiben. 🙂

Werkzeug 5: Die Polarität des Lebens und den eigenen Deal respektieren

Alles hat immer zwei Seiten, Chancen und Risiken, die miteinander Hand in Hand gehen. Ich wohne z.B. sehr schön oben am Berg und habe deswegen die CHANCE die Alpen vom Fenster aus zu sehen, gleichzeitig habe ich wegen dieser Lage z.B. ein höheres Glatteis-RISIKO.

„Wäre ich doch bloß nicht schon so früh im Jahr so heiß aufs Skifahren gewesen! Wenn wir doch dieses Wochenende gelassen hätten…. Wenn ich die Piste vorher anders abgebogen wäre….“

Wenn ich nicht Skifahren gehen wollte, warum wäre ich dann hierher gezogen? Wie soll Skifahren ohne Skifahren gehen? mit jeder Aktivität kommt ein bestimmtes Risiko mit. Was wäre die Alternative? Mich zuhause einsperren und auf der Couch sitzen? Selbst auf der Couch sitzen birgt seine Risiken: Ich kann durch die Unbeweglichkeit z.B. Kreislaufprobleme kriegen. 😉

Das Gleiche gilt auch beruflich: Wenn ich bestimmte Umfelder betrete, weiß ich, welche Chancen sich damit verbinden – aber ich darf einfach nicht meinen, das Ganze ohne die Risiken haben zu können.

Leona, die letztes Jahr gemeinsam mit mir hier die ersten Grundsteine für diesen Club zusammengebaut hat, sagte mit ihren altersweisen 😉 27 Jahren zu sowas typischerweise: „it comes with the territory“.

Ich wollte dieses Territorium und es hat seine Chancen und seine Risiken. Ich habe schon viele der Chancen genossen und war frühmorgens im See schwimmen oder neulich schon Skifahren. Und jetzt haben mich eben die Risiken erwischt.

Werkzeug 6: Die Perspektive zurechtrücken – oder: Wird in 10 Jahren noch 1 Hahn danach krähen?

Wenn ich doch generell ‚meine‘ Berge jetzt so viel näher habe und das auf die Dauer wichtig und gut für mich ist – werden da im Nachhinein die jetzt anstehenden 6 Heilungswochen wirklich SO wichtig sein?

Du könntest so eine Situation auch ein bisschen betrachten wie (m)eine Mutter. MEINE Mutter fand das mit der Schulter zwar ehrlich doof für mich, aber sobald geklärt was, dass ‚das Kind‘ (hallo, ich bin 42! aber Du kennst sowas bestimmt auch, oder?) es überstehen wird, war für sie das Wesentliche geklärt und sie atmete durch. Das sollte ich dann vielleicht auch.

Werkzeug 7: Sieh‘ es wie ein Kind – als großes Abenteuer

Wie war das, als wir Kinder waren? Wenn Kinder sich (naja, zumindest früher war das so!) beim Skifahren was taten, beim Rumräubern im Wald vom Baum krachten und sich Arm oder Bein brachen, dann war das kein Generaldrama, nein, nach dem ersten Schock wurde es zur HELDENGESCHICHTE! Das ging soweit, dass ich sogar neidisch war, weil ich NIE was gebrochen hatte und deswegen keine Helden-Aufmerksamkeit. 🙂

Also, versuchen wir das mal: „In Wahrheit war das so: Ein Traumtag mit Blick bis weit hinter Italien, dann kommt diese blöde Nuss, der krasse Sturz, das laute Krachen meiner Schulter – und dann DENNOCH die tapfere eigene Abfahrt noch den ganzen Berg hinunter. Mit angebrochener Schulter! – So souverän fährt sie Ski! Welch Courage!“

Klingt schon viel besser. Ich fühle mich ein Stück gewachsen ! 😉

Manchmal, eher sogar meistens bringt es einfach nix, das Leben zu ernst zu nehmen. Da macht man wenigstens eine gute Geschichte draus.

Je dööfer die Situation, desto mehr dieser Wieder-Hochzieh-Anker kann es brauchen.

Warum auch nicht? Sehen wir es diese und andere Methoden als einen Werkzeugkasten: Wenn was kaputt geht (unser Glücklichsein in dem Fall), öffnen wir ihn und schauen, was passt. Manchmal reicht ein Werkzeug, manchmal ist die Reparatur aufwändiger und wir müssen etwas länger basteln. Der erste Schritt ist, den Werkzeugkoffer rauszuholen und zu schauen, was passen könnte.

Voilà.

Ich habe den Job „aus Allem das Beste machen“ zumindest angegangen.

Er ist noch nicht erledigt, aber es geht mir schon besser. Wichtig ist daran, dass diese Methoden grundsätzlich bei jedem, also auch bei Dir, funktionieren können. Bei jedem paßt etwas anderes in der Werkzeugkoffer und je nach Situation wirst Du unterschiedliches Werkzeug brauchen. Such‘ Dir einfach mit der Zeit zusammen was Du brauchst – und vor allem, was Dir hilft.

Solltest Du es also mal schwer haben, die großer Sch… passieren (und vergiss‘ nicht: An sowas können wir auch merken, wie stark wir wirklich sind!), versuch‘ es doch mal mit diesen und weiteren Ansätzen. Erzähl‘ mir doch gern in einer Mail oder auf der Facebook-Page, wie es für Dich funktioniert hat oder verrate mir, welcher andere Gedanke oder Aktivität Dir bisher besonders geholfen hat.

Mit den besten Wünschen für Deine derzeitigen Lebens-Abenteuer – ich wünsche Dir schöne Feiertage zum Durchschnaufen und Neue-Energien-Schöpfen!

Deine

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Kristin Reinbach
(Begründerin dieser kostenlosen Initiative)

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.