Kreativer statt Burn-Out: Wie eine BWLerin mit mehr Kunst glücklich wurde

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Vorsatz: Jutta ist eine FB-Freundin von Club-Kuratorin Kristin Reinbach – und hat sie mit ihren skurril-wunderbaren Fabelwesen wie diesem Elephanten schnell beeindruckt. Im Rahmen des Specials „Dare to Create“ wurde sie von Kristin daher gebeten, ein paar Erkenntnisse und Tipps darüber zu teilen, wie man seinen ‚ach so normalen‘ Job NICHT aufgibt – und seinem Leben ‚einfach so‘ mit etwas mehr Kreativität eine andere Farbe gibt:

Wie alles anfing

Ja, es ist wie mit allen Gewohnheiten oder Änderungen. Mit dem Nichtrauchen. Mit dem Sport. Mit dem Zeichnen.

Du musst es wollen.

Ja, ich weiß. das ist ein blöder Rat.

Du musst es wollen und einfach anfangen und – mit etwas Glück – findest du genau den richtigen Einstieg, der dich in den Sog zieht.

Ich bin aus sehr persönlichen Motiven ins Zeichnen eingestiegen. Seit meiner Kindheit hatte ich Jahrzehnte lang Tagebücher vollgeschrieben – mit meinen Gedanken und Erlebnissen. Buchstaben, Worte, Sätze, Seiten, Bücher. Die Bücher stehen nun unbeachtet und gesammelt im Keller. Ich habe nie wieder reingeguckt.

Dann kam eine Zeit in meinem Leben, die heute so neudeutsch „burn out“ heißt

– und der Funke war gezündet: Meine Idee war mein Tagebuch zu zeichnen statt zu schreiben.

Damit habe ich angefangen. und dann wollte ich besser zeichnen und habe Ausschau gehalten nach Büchern, die mir helfen weiterzulernen. Und Kurse und Menschen, mit denen ich zusammengelernt habe.

So ergab eins das andere.

Von der Idee mein Tagebuch zu zeichnen bin ich zwischenzeitlich abgelenkt gewesen und merke wie ich jetzt wieder in die Richtung steuere.

Meine Kreativität und ich

Wenn ich Berichte von Künstlern lese, heißt es da immer, dass diejenige schon immer ununterbrochen zeichnerisch oder malerisch oder bastlerisch oder handarbeitlich kreativ war. Nicht so bei mir.

Bis ich gemerkt habe, dass ich anders bin aber genau so.

Und dass ich das, was ich im Stillen, in meinem Inneren ‚heimlich’ Kreativität genannt habe, tatsächlich Kreativität ist, und ich es laut aussprechen darf:

Schon immer habe ich gerne Neues „hergestellt“, nur nicht immer in der gleichen Kategorie.

Mein Gedanke oder eher meine Philosophie ist inzwischen,

dass ich in vielen Situationen sehr kreativ bin. Also einfallsreich.

Und ich sehe in vielen Bereichen Potential Kreativität einzusetzen. Also weiterdenken, Unmögliches denken, und einfach ausprobieren. Möglichkeiten ausreizen und Komponenten kombinieren.

Denk an die Möglichkeiten des Bilanzierungsgesetz. oder den Aufbau eines Controllings. Wie sieht es aus mit der Verantwortung als Abteilungsleiterin für Personaleinsatz und der Harmonisierung der Bedürfnisse von Arbeitgeber und Arbeitnehmer… Oder die Frage:

Wie kriege ich möglichst viel funktional in meinen winzigen privaten Räumen unter und es sieht auch noch stylisch aus?

Klar machte ich die Kleider für die Puppenstubenpuppen selbst, weil es nur eine Garnitur im gekauften Set gab,

das war für mich als Kind eine Selbstverständlichkeit.

Und welches Wesen guckt mich da frech aus dem Kaffeefleck an? Oder aus einem selbst provozierten aber zufälligem Fleck? Ah, ich fühle, wie etwas neu entstehen kann.

Tatsächlich mag ich es als Betriebswirtin zu arbeiten.

Ich liebe Zahlen und Strukturen.

Die Alltagsroutine birgt eine gewisse Ruhe und Sicherheit.

Nur eben auch schon mal unterbrochen von ‚Herausforderungen‚.

Herausforderungen, die meine Kreativität fordern.

Neulich war ein Stapel Original-Unterlagen verschwunden, möglicherweise sogar falsch abgelegt in einer der Akten, die mein Büro bevölkern. Nun ja, wirklich durch Kreativität habe ich das Problem nicht gelöst. Dennoch brauchte ich eine Menge Vorstellungskraft und die Fähigkeit, das Unmögliche zu denken und auszuprobieren…

Gleichzeitig liebe ich Bilder aller Art – und ich liebe es vor allem aus Chaos Erkennbares herauszuarbeiten.

In der Kunst wie im Geschäftsleben.

Zwischen BWLer und Künstler wechseln – so klappt es bei mir

Damit das nicht so schwierig ist und der Wechsel vom BWLer-Alltag zum Künstler-Dasein einfach bleibt, integriere ich mein Zeichnen und die Kunst in mein alltägliches Leben.

Notizen in den Besprechungen bebildere ich – das ist ja auch wesentlich einfacher, die Inhalte zu merken, wenn sie bildlich auf dem Papier stehen.

Meine kleinen kreativen Projekte bearbeite ich zuhause. ich habe mich einer urban sketcher Gruppe angeschlossen und zeichne regelmäßig in einer Gruppe. Ich bin fasziniert von den vielfältigen Ideen anderer und lasse mich gerne inspirieren. Dabei habe ich das Internet und die gefundenen fb-Freunde als achtsam und fördernd schätzen gelernt.

Pendeln als kreative Pufferzone

Ich war in der glücklichen Lage ein paar Jahre ein Pendler-Dasein zu führen. Damit hatte ich die Gelegenheit morgens auf dem Weg ins Büro – nach einer halben Stunde Bewegungsmeditation auf dem Fahrrad – eine weitere halbe Stunde in den öffentlichen Verkehrsmitteln für Kunst zu nutzen.

Kleine einfache Bilder spontan aus zufälligen Klecksen.

Eine feine kleinen fast intime Angelegenheit morgens im Zug in Gesellschaft von den anderen morgenmüden Pendlern. Zwar konnte ich aus bestimmten Gründen diese Angewohnheit nicht beibehalten, doch das Bedürfnis nach spontanen lockeren Zeichnungen ist da.

Kreativ – mitten so im Büro-Alltag

Jetzt habe ich ein neues Projekt, eine Serie gestartet, die ich „office-drawing“ nenne.

In den Atempausen meines stressigen Büroalltag zeichne ich ein paar Linien oder Figuren oder klebe ein paar bunte (Post it) Akzente auf ein Blatt, das in einer ruhigen Ecke meines Schreibtisch liegt. Immer mal wieder. In den Atempausen. Bis der Bürotag vorbei ist.

DAs tut gut und wenn ich Glück habe, sehe ich am Abend ein Bild in den Kritzeleien. Ich bin selbst gespannt, wie das sich entwickelt.

So bleibe ich im Fluss, quasi auf einem gewissen Kreativ-Level.

Es geht nicht darum, großartige Kunst und auch nicht vorzeigbare Werke herzustellen. Sondern für mich ist das Sprungbrett oder Ebene, von der aus ich eine kleine Stufe höher bereits großartige Werke zeichne – in meiner freien und lustvollen Zeit.

Meine Tipps für Online-Schulen

Es gibt ein paar online-Kurse/Schulen, die genau mein Bedürfnis treffen, als erwachsener berufstätiger Mensch ohne angeborenes außergewöhnliches Talent meiner kreativer Lust mit Ernsthaftigkeit nachzugehen und dabei großen Spaß zu haben.

Kurse bei Sketchbook skool
Kurse von Carla Sonheim


 

Jutta Maria Müller

Jutta ist BWLerin. Meistens. Bis sie sich nach einem Burn-Out ihre Kreativität wieder zurückeroberte. Seitdem zeichnet sie. Regelmäßig. Ihre Künstler-Alter Ego ist Iumyko - und ein Besuch auf ihrer Galerie-Page Iumyko.net sehr empfohlen.