Mann, ist das schwer!

Liebe(r) ,

warum tun wir uns so schwer, neu anzufangen?
Was ist so schwierig daran, alte Verhaltensweisen zu ändern, sein zu lassen, durch andere zu ersetzen?

Manchmal habe ich schon gedacht:

Morgen früh ganz ohne Gedächtnis aufzuwachen – das hätte was Erfrischendes.

(nicht ganz im Ernst, gell, ich will nix herbeireden – aber Du weißt schon, was ich meine! :))

Ich hätte es leichter, ich könnte ohne Hemmungen einfach neu schauen, wer oder was ich bin, wen ich in meinem Leben haben will oder nicht, wie ich mich verhalte…

ich wäre wie neu.

Hattest Du ähnliche Gedanken auch schon mal?

Du bist damit bestimmt in guter Gesellschaft, denn mitten im Erwachsenen-Leben neu anzufangen IST schwierig.

Ein wesentlicher Grund dafür: UM-lernen ist schwieriger als NEU lernen.

Als Kinder lernen wir alles NEU. Das neue Wissen, die neue Verhaltensweise kommt auf unbenutztem Gebiet an, kann sich in aller Breite entfalten wie sie will – und zwar im Guten wie im Schlechten.

Diese erste Prägung ist wichtig, weil sie eben die ERSTEN Bausteine für unser Denken und Handeln legt. Instinktiv sorgen wir deswegen dafür, dass Kinder möglichst viele ‚gute‘ Einflüsse, sprich: Bausteinchen, bekommen. Leider bekommen wir neben viel Gutem meist auch Bausteine mit, die später in unserer eigenen Welt nicht mehr nützlich, sondern schädlich für unser Glück sind.

Hilfreich kann da der Gedanke sein, das Ganze als Deine Erstausstattung zu verstehen: So wie die Möbel und Ausstattung in Deiner ersten eigenen Wohnung, als Student, nach der Lehre, in einer neuen Stadt. Diese hast Du vielleicht mit den Jahren ergänzt – um große, schwere, stabile Stücke, an denen Du hängst, die Du gezielt ‚fürs Leben‘ gekauft hast. Wenn dann ein großer Umzug – oder eben eine größere Veränderung in Deinem Leben – angesagt ist, braucht es Nerv, hier richtig gründlich durchzugreifen und sich von Altlasten zu befreien.

Wie befreiend das sein kann, habe ich neulich bei einer sehr aufgeräumt wirkenden Frau Ende Fünfzig wieder gesehen. Sie erzählte mir, sie habe zwar Multiple Sklerose, und das würde ihr das Leben nicht grade einfacher machen (wörtliches Zitat!), aber sie habe jetzt den Fakten ins Auge gesehen. Sie und ihr Mann hätten ihr großes Haus verkauft, entrümpelt und wohnen jetzt seit ein paar Wochen in einer pflegeleichten Zweizimmerwohnung in der Stadt. Sie sagte mit einem Aufatmen, dass man an ihrem Brustkorb sehen konnte:

„Es war heftig – aber ich fühle mich richtig befreit.“

Das habe ich ihr sofort geglaubt! 🙂

Jetzt ist das mit dem Möbel & Material ausmisten eins – und es ist symbolisch eine großartige Sache wie ich selbst vor kurzem beim Umzug wieder gesehen habe. Material auszumisten kann ein Anfang sein, aber was mit dem Nicht-Materiellen, das wir mit uns rumschleifen?

Was ist mit den schweren ‚Möbelstücken‘ in Form alter, unnützlicher Gewohnheiten aus der Vergangenheit – in Hirn, Herz, Verhalten?

Auch hier wird es ab und an eben Zeit, die Ausstattung auszutauschen. Allerdings ist es schwerer als bei einem physischen Umzug, den Raum in Deinem Inneren erstmal leer zu machen – und dann wieder mit etwas Neuem zu füllen.

Meistens funktioniert innerer Wandel indem Du Stück für Stück Handlung A durch Handlung B ersetzt.

Mein Tipp dazu: Wenn ich eine Zeit lang oder heute keinen Wein trinken will, dann sage ich nicht mehr „Ich trinke keinen Wein.“ Das funktioniert nicht, denn d adurch entsteht einfach nur eine Lücke, die sich gern wieder füllt – und zwar meistens durch die Verhaltensweise, die Du ersetzen wolltest.

Besser: Wenn Du direkt den Ersatz einplanst, fällt es (in der Fastenzeit selbst getestet) sehr viel leichter – lächerlich leicht sogar. Das funktioniert dann so:
„Heute trinke ich statt Wein etwas anderes leckeres – einen sehr guten Saft, ein gutes alkoholfreies Bier, einen guten Tee.“

Dabei ist „Lust auf Wein“ der sog. ‚Trigger‘, der Impuls, der Anstoß, der schon da ist. Und der Saft, der Tee die neue Handlungskette, die sich aus dem Impuls ableitet.

Sowas wie mit dem Wein trinken oder Essen oder so zu verändern…wie Du bestimmt weißt, ist das meist schon nicht einfach. Wenigstens kann man bei solchen Themen sehr griffig und sichtbar für Veränderung sorgen.

Wenn es um Verhalten zwischen Menschen geht, ist es viel schwammiger, was der Trigger und was die angestoßene Handlungskette ist.
Deswegen ist es schwieriger zu ändern. Dennoch geht es – und meistens verändert es ehrlich gesagt viel mehr in meinem Leben als das eine Glas Wein mehr oder weniger! 🙂

Ich will damit sagen: Auch wenn solche innere Veränderungen eine sportliche Herausforderung sind, lohnen sich doppelt.

1. Schritt:
Schreib Dir möglichst konkret Situationen auf, die Dich aktuell ärgern. „Wenn A das und das sagt, mache ich X und dann ärgere ich mich nachher weil ….“ Achte darauf, was der Impuls ist und was als Handlung danach folgt.
Du kannst solche Sequenzen einfach kurz auf einer Seite einer Karteikarte festhalten – und dann wann anders weiter daran bearbeiten.

2. Schritt:
Schreib nun die Situation auf der Rückseite der Karteikarte um: „Wenn das nächste Mal A das und das sagt, dann werde ich statt X nun Y sagen und tun – und danach stolz auf mich sein.“ Wenn Du willst kannst Du auch noch die alte Situation kräftig durchstreichen – ich finde, das hat sowas schön Demonstratives! 🙂

3. Schritt: Anwenden
Je öfter Du das machst, desto öfter wirst Du in einer ähnlichen Situation etwas Passendes oder Anpassungsfähiges parat haben. Die umgeschriebenen Karteikarten ergeben Dein neues Repertoire.

Jahrelang habe ich mich z.B. gegen negativen Energie-Vampirismus recht wehrlos gefühlt. Inzwischen habe ich aber mehr Bausteine gesammelt, mit denen ich mich wehren kann. Ich lasse z.B. eine dahin geworfene negative Bemerkung nicht mehr so durchrutschen – und bei mir im Gemüt landen. Statt dessen habe ich mehr Handlungsalternativen zur Verfügung.

Erst neulich habe ich das richtig gebraucht – erst jetzt beim Schreiben merke ich, dass ich stolz auf mich sein kann, weil ich eine alte Verhaltensweise von mir (mich da ungestraft dumm anmachen zu lassen) durch eine neue, für mich viel bekömmlichere ersetzt habe (in offenen Dialog gehen, erst recht nachfragen, mich dagegen abgrenzen…). Ich merke, mir fehlt noch etwas Übung in dem Muskel – es ist schon noch anstrengend. Nichtsdestotrotz ist es ein Anfang, ich bleibe dran und es wird wie alles mit der Zeit leichter werden.

Ein letzter Gedanke bzgl. erstmal Raum in Hirn & Herz wieder freigeben: Vielleicht geht auch das ganz gut. Indem ich mehr Raum lasse…durch Meditation…Zeit mir mir…Zeit mit weniger Aktivität zum Beispiel….indem ich Altes erst mal unterlasse – und schaue, was davon wieder aufgegriffen werden will.

Allein empfehle ich es aus eigener Erfahrung nicht, besser als Ergänzung zum gezielten Ersetzen. Aber jeder ist anders und vielleicht kann für Dich erstmal für viel Leere zu sorgen besser funktionieren… Schreib mir eine Mail und erzähl mir/uns davon!

Anregung für Dein Glück für die nächsten zwei Wochen:
1. Probier doch die ‚Umschreib‘-Übung oben aus.
2. Stell Dir vor, Du würdest morgen früh ganz frisch aufwachen würdest, Dir geht es gut, Du bist frisch, gesund, voller Tatendrang – Du kannst Dich nur sonst an nix mehr erinnern.
Welche Elemente würdest Du auch heute frisch Deinem Leben wieder hinzufügen.
Wer oder was hinterlässt einen so wesentlichen, positiven Eindruck, dass Du Dich immer wieder freust, dieses Element neu in Deinem Leben zu haben?
Mit den besten Wünschen für Deine derzeitigen Lebens-Abenteuer!

Deine

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Kristin Reinbach
(Begründerin dieser kostenlosen Initiative)

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.