Selbständig machen: Wäre ich glücklicher damit?

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Nicht jeden macht die Selbständigkeit glücklich(er).

Als ich mich vor fast 10 Jahren selbständig gemacht habe, da musste ich mich auch entscheiden:

Will ich das wirklich – und warum – oder lasse ich es lieber?

Hier und heute – wie immer kostenlos – 10 Fragen für Dich, mit denen Du heute entscheiden oder weg-entscheiden kannst, ob ’sich selbständig machen‘ eine gute Idee für Dich und Dein Glück ist.

Die Kernfrage ist:

1. Wie viel Sicherheit brauchst Du zum Glücklichsein im Leben?

Wenn Du selbständig bist, wirst Du früher oder später Risiken eingehen müssen. Oft ist der Sprung nach vorn, auf ein Risiko zu, der Sprung, der wieder zu mehr Sicherheit führt.

Wenn Du selbständig bist, agierst Du außerhalb schützender System und Außenstrukturen, bist letztlich auf Dich selbst gestellt. Selbst wenn Du ein tolles Team hast und Wert darauf legst, es partnerschaftlich zu führen – am Ende des Tages bist Du verantwortlich, musst Du entscheiden.

Davon abgesehen ist das Leben als UnternehmerIn nie sicher:

Du kannst nie wirklich wissen, was morgen oder als Nächstes passiert.

Das weißt Du zwar als Angestellte/r auch nicht, als Selbständige/r bist Du äußeren Faktoren jedoch viel unmittelbarer ausgesetzt.

Testfrage: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie exakt müssen bei Dir Urlaube oder Reisen geplant sein, damit Du Spass daran hast? (1 – überhaupt nicht – 10 – möglichst genau)

Ein Urlaub – das ist nix großartig Riskantes. Wenn Du hier schon viel Sicherheit brauchst, obwohl Du aktuell bereits in einem geschützten Umfeld arbeitest, dann ist Dir Sicherheit offensichtlich wirklich wichtig.

Wenn Dir Sicherheit im Leben sehr wichtig ist, lass es auf jeden Fall mit der Selbständigkeit.

Verwirkliche Dich anders.

Wenn Du damit gut umgehen kannst, nicht genau zu wissen, was morgen ist, dann wäre die Selbständigkeit evtl. eine Möglichkeit.

2. Kannst Du mit finanzieller Unsicherheit leben?

Während des Studiums habe ich z.B. immer auch viel gejobbt und obwohl das unsicher war, wußte ich, dass ich mir immer noch wo etwas mehr Geld dazu verdienen konnte, wenn ich wollte.

Später habe ich wirklich gut verdient und bin mit meiner Selbständigkeit auf der Basis von etwas erspartem Geld gestartet. Schon Jahre vor meiner Selbständigkeit hatte ich recht hohe Anteile an variablem Gehalt in meinen Verträgen. Dieses Geld bekam ich nur bei Erfolgen, die erst mal erarbeitet werden mussten – also hatte ich mich auch da wieder an mehr Unsicherheit gewöhnt.

Eine wichtige Information zum Thema Geld in der Selbständigkeit: Selbst wenn Du selbständig ein sehr gutes Ergebnis erzielst, ist das Geld nie das Gleiche wie das, das Du als Angestellter als Gehalt überwiesen bekommst.

Es ist nie richtig Deins.

Zum einen bleibt viel länger unklar, wie viel davon an die Steuer geht und zum anderen: Wenn Du gesund wirtschaften willst, dann muss man eben auch zurück in das Unternehmen investieren.

3. Beherrschst Du Dein Handwerk? Oder: Kannst Du es schnell lernen?

Ich z.B. habe Unternehmensberatung, Marketing, Strategie gelernt, weiterentwickelt, eingesetzt… Es ist mein Handwerk und ich kann auch heute immer wieder darauf zurückgreifen. Ich bin der Meinung, dass man etwas in der Art für die Gründung braucht, damit man in all der Unsicherheit wenigstens ein stabiles Standbein hat.

Wenn Du in einem Bereich gründest, der nicht Dein ‚Home Turf‘ ist, dann sei zumindest darauf gefasst, dass Du hier richtig schnell richtig viel dazulernen müssen wirst. Plane das Dazulernen gezielt ein.

Dein Kerngeschäft im Prozess lernen zu müssen, das ist ein zusätzlicher Risikofaktor.

Sei nicht der 'ich-mach-mal-ein-Restaurant-auf'-Mensch, bei dem man verhungert, weil er denkt, gut kochen… Klick um zu Tweeten

Also, als Ersatzfrage kann auch dienen:

Bist Du bereit, richtig viel dazu zu lernen?

4. Worum geht es Dir beim Selbständig-Sein wirklich?

Geht es Dir ums Geld? Um richtig viel Geld? Ehrlich? Wie viel genau würde Dir denn reichen? Was würdest Du damit machen?

Vergiss nicht, dass Geld letztlich nur ein Mittel zum Zweck ist.

Und der kann oft auch anders erreicht werden. Gute Unternehmer wie Walt Disney sagen dazu z.B.

„Wir machen nicht mehr Geld, um mehr Geld zu machen, sondern um mehr Filme zu drehen.“

Mal realistisch würde es vom Geld her für die meisten Menschen ausreichen, sich lieber aktiv in einen richtig gut bezahlten Angestellten-Job hinein zu entwickeln. Das kostet auch Zeit und ggfs. auch Geld, das Du in Deine Weiterentwicklung investierst, dafür ist es hier viel wahrscheinlicher, dass Deine Bemühungen zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.

Du willst mehr Freiheit, in dem WIE Du arbeitest?

Denk dran: Mit dieser Freiheit muss man umgehen können.

Plötzlich gibt es Strukturen nur von Dir aus – oder eben gar nicht. Und SO VIEL Freiheit gibt es bei vielen Geschäftsmodellen eben doch nicht, weil man ja für seine Kunden dann da sein muss, wann es für sie wichtig ist.

Das typische Lädchen oder Cafe, das nur 20h die Woche auf hat und dann mal heute nicht, mal morgen nicht, das ist nicht erfolglos, weil ‚die Kunden es einfach nicht angenommen haben‘, sondern weil nie jemand für die Kunden da war.

5. Macht Dir Arbeiten Spaß?

Macht Dir die Arbeit in Deinem Unternehmen Spaß?

Wenn Du gründest, kannst Du vorher nicht wissen, ob es letztlich erfolgreich sein wird. Die Wahrscheinlichkeiten stehen eher dafür, dass man den Laden in den ersten 3 Jahren wieder dicht macht.

Frag‘ Dich:

* A) Würdest Du es bereuen, es versucht zu haben, wenn es letztlich nicht gelingt?

* B) Oder würdest Du es bereuen, es NICHT versucht zu haben?

Wenn Du A) mit Ja beantwortest, dann solltest Du es nicht tun.

Wenn Du B) mit Ja beantwortest, dann kann es sich lohnen, Wege zu finden, Deine Selbständigkeits-Pläne machbar zu machen.

6. Bist Du bereit, zu Deinem Chef-Verkäufer zu werden?

Egal, was und wie Du gründest, in der ein oder anderen Weise ist VERKAUFEN unvermeidlich und Dein neues Lernfach, wenn Du es vorher nicht ohnehin schon konntest.

Wenn Du anderen etwas Verkaufen gar nicht magst oder wirklich kein Talent dazu hast (wobei das selten wirklich so ist), dann brauchst Du dringend jemanden, der es statt Dir tut. Ohne geht es nicht.

7. Bist Du bereit, richtig was wegzuschaffen?

Selbständig sein, dass ist was für Fleißige.

Nicht so in dem Sinne, wie man das früher in der Schule verwendet hätte. In dem Sinne bin ich wahrscheinlich gar nicht fleißig.

Aber Eigen-Motivation und Disziplin in der Sache, BISS, das braucht man.

Wenn ein Kunde etwas von mir braucht, wenn ich ein Problem dringend lösen will und in vielen anderen Situationen auch, da hänge ich mich einfach rein. Weil alles andere nicht in Frage kommt.

Ein Bekannter von mir, der einen Gebrauchtwagenhandel aufgebaut hat, der hat jahrelang kein Wochenende frei gemacht, weil da eben seine Kundschaft Zeit hat und er dann ihre Probleme lösen kann.

Wenn Du gern regelmäßig pünktlich Schluss machst, finde lieber eine andere Lösung als die Selbständigkeit.

8. Kannst Du damit leben, anders zu sein als die anderen?

Selbständig sein in Deutschland ist nicht die Normalität und als Frau schon dreimal nicht.

Viele Deiner Freunde werden nicht mehr wirklich verstehen können, was Dich so umtreibt.

Manche werden denken, Du seist reich – einfach, weil Du selbständig bist und unsere Medien so tun, als käme das dann von selbst (nein, das tut es nicht! :)).

Du wirst wahrscheinlich mit Gegenwind rechnen und damit umgehen müssen. Wenn Du sehr harmoniebedürftig bist, ist das kaum zu schaffen.

Selbst für eine sture Sau wie mich war das schwer zu begreifen.

Und nicht zuletzt:

9. Willst Du das Selbständig-Sein wirklich?

Und damit meine ich: Willst DU es? Auch ohne, dass Freunde, Ehefrau, Presse, wer auch immer, behauptet, das sei toll, cool, mache sexy, reich, berühmt…. 🙂

Wenn Du es nur tust, weil Du es schick findest – das wird nicht funktionieren, dafür taugt Selbständigkeit einfach nicht. Kinder zu kriegen, weil sie als Babies so süß sind, das haut ja auch nicht gut hin, denn das ist nach einem Jahr vorbei.

Wenn Du es aber wirklich willst, dann ist vieles möglich.

Dann wird sich Deine Persönlichkeit auf das hin entwickeln, das Du brauchst. Wer weiß, vielleicht wirst Du zu einem viel großartigeren Verkäufer als Du je für möglich gehalten hattest?

10. Insgesamt: Selbständig sein – was bedeutet es für Dich und Dein Glück: Himmel oder Hölle?

Für manche ist Selbständigkeit großartig – gleichbedeutend mit Freiheit, Selbtbestimmung und damit mit Glück.
Für andere ist sie die pure Hölle – voller Unsicherheit, Auf-sich-gestellt-sein, unerwarteten Gegnern und damit voller Unglück.

Für die meisten ist die Selbständigkeit etwas dazwischen. Für mich ist sie oft Himmel, manchmal Hölle. Die Himmels-Momente sind mir viel wert und sie gleichen viel von der Gegenseite aus. Für mich persönlich überwiegen also die guten Punkte.

Was das Selbständig-Sein für Dich bedeutet, das kannst nur Du wissen.

Glaub‘ nur Dir selbst.

Wenn Du heute nach diesen Fragen beschließt, diesen vermeintlichen Traum wieder von der Wunschliste zu nehmen, ist das ok. Selbständig sein – das muss nicht jeder machen oder wollen.

Wenn Du es mit der Selbständigkeit wagst, dann wünsche ich Dir viel Erfolg.

Letzter Tipp: Wenn Du es tust, dann achte sehr darauf, von wem Du Dir für welches Geld was erzählen lässt und glaub‘ nicht jedem, der sich ‚Gründer-Coach‘ nennt, alles und auch nicht, wenn es ein ‚Gründerzentrum‘ o.ä. ist. Aber das ist ein anderes Thema… 🙂

Wie immer wünsche ich Dir viel Erfolg bei Deinen aktuellen Lebens-Abenteuern!

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.