Der Kaffeeverkäufer, das Leben & ich: Unperfekt aber glücklich

glücklich im alltag, die kleinen dinge schätzen, das kleine Glück, nicht perfekt, Lori Deschene, the club of happy lifepreneurs

„Glücklich sein bedeutet nicht, dass alles perfekt ist. Glücklich sein bedeutet, dass Du beschlossen hast, hinter die Unvollkommenheiten zu sehen.“ – Unbekannt

Auch wenn mir Öl-Regenmäntel nicht egaler sein könnten, hörte ich ihm an einem verregneten Morgen letzte Woche eine Viertelstunde lang zu. Der kleine Typ mit seinem zugeknöpften bunten Hemd und lustigen Hut macht mir jeden Morgen gute Laune. Er arbeitet in dem 7-Eleven, in dem ich mir meinen Kaffee hole – und er wirkt immer glücklich.

Anfangs dachte ich, dass er gute Miene zum bösen Spiel und das Beste aus einer schwierigen Situation macht. Er kann doch nicht wirklich Spaß an der Arbeit in einem Lebensmittelladen haben, oder?!

Dann wurde mir klar, dass ich den wichtigsten Teil seiner Ausstrahlung übersehen hatte:

Sein Job macht ihm Spaß und deswegen wirkt er immer so glücklich – weil er glücklich ist.

Mensch, das ist super. Ich möchte so sein wie er.
Mein Leben ist nicht gerade immer so, wie ich es gern hätte.
An vielen Tagen sitze ich alleine in meinem Zimmer und schreibe, während ich doch viel lieber in einem Büro am Strand sitzen würde, das ich mir mit Freunden teile.

Ich fahre einen alten kaputten Toyota, während ich doch viel lieber ein Auto ohne manuelle Fensterheber und Kassettenplayer hätte.

Die Welt würde sich aber gar nicht großartig verändern, wenn ich

  • mehr Geld,
  • ein anderes Büro,
  • einen besseren Job
  • oder ein schöneres Auto hätte.

Die Verpackung ist anders, aber das Geschenk darin bleibt doch dasselbe.

  • Ob ich mich selbst mag,
  • wie offen ich anderen Menschen und Erfahrungen gegenüber bin,
  • wie oft ich lache, einfach weil es sich gut anfühlt:

Keins dieser Dinge hängt von meiner Lebenssituation ab.

Der Typ im bunten Hemd weiß das.

Und ich vermute mal, dass er die folgenden Dinge auch schon weiß:

Den Moment genießen: Eine Gewohnheit, die trainiert werden will.

Wenn Du Dich immer nur auf Dein Glück „morgen“ konzentrierst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du dasselbe immer noch tust, wenn Du Deine Träume erreicht hast. So seltsam das klingen mag: Die Fähigkeit, das wertzuschätzen, was Du hast, hat nichts damit zu tun, was Du wirklich hast. Es geht mehr darum, wie Du die guten Dinge in Deinem Leben zu jedem möglichen Zeitpunkt beurteilst.

Trainiere mal, das zu wollen, was Du schon hast – dann wird es sich viel schöner anfühlen, wenn Du irgendwann das hast, was Du willst. Schau Dich um: Was ist schon da, das Du genießen, wertschätzen kannst?

Jetzt Gründe finden, warum Du glücklich sein solltest: Ein Pluspunkt für Deine Zukunft.

Dr. Dacher Keltner der Universität Kalifornien sagt, dass sie die Zukunft eines Menschen erahnen kann, wenn sie sich die Stärke seines Lächelns ansieht. Forscher haben Fotos von Studenten aus Jahrbüchern zwischen 1958 und 1960 untersucht und anschließend mit den Menschen heute verglichen. Die Tests zeigten, dass die Frauen, die in den Fotos im Jahrbuch mehr positive Emotion ausgestrahlt hatten, im Leben fokussierter waren, erfolgreichere Ehen führten und es ihnen grundsätzlich besser ging.

Im Artikel heißt es:

„Während positive Emotionen den Horizont erweitern, schränken negative Emotionen ihn ein und erschweren eine Entwicklung. (…) Die Erkenntnisse von Dr. Keltner und ihren Kollegen, die im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht wurden, sind mit die ersten, die belegen, dass sich Unterschiede in der Art und Weise, Emotionen zu zeigen, im weiteren Leben halten und persönlichen und sozialen Erfolg beeinflussen können.“

Glück und Gesundheit: Dich auf Freude einstellen kann Deine Gesundheit verbessern.

Das eröffnet Dir natürlich viele Möglichkeiten im Leben. Viele Menschen nehmen Gesundheit als gegeben hin – bis sie irgendwann nicht mehr da ist.

Christopher Peterson, Ph.D. an der Uni in Michigan, untersucht seit über 20 Jahren die Verbindung zwischen Optimismus und Gesundheit. Er hat herausgefunden, dass optimistische Menschen ein stärkeres Immunsystem haben als ihre pessimistischen Mitmenschen. Das mag damit zusammenhängen, dass sie sich meist besser um sich selbst kümmern.

Entscheide Dich jetzt, glücklich zu sein und Du wirst mehr Tage haben, an denen Du Deine Gesundheit genießen kannst.

Dankbar sein für das kleine Glück:

Lange anhaltendes Glück hängt von Deiner Fähigkeit ab, Details wahrzunehmen und wert zu schätzen.

Die Fähigkeit kannst Du sofort verbessern und verfeinern. Wenn Du erst einmal alles hast, was Du Dir wünscht, bist Du immer noch den Höhen und Tiefen des Lebens ausgesetzt. Wenn Du nicht gelernt hast, die kleinen Dinge, das kleine Glück zu genießen, ist Dein Wohlergehen abhängig von Deinen Lebensumständen. Jedes Mal, wenn etwas schief geht, wirst Du todunglücklich sein – während Du auch enttäuscht und dennoch überzeugt sein könntest, dass Du aus der Situation das Beste machst.

Denk an die Dinge, die Dich mit der größten Freude erfüllen:

  • Zeit mit Deinen Haustieren verbringen?
  • Dem Regen zuhören?
  • Am Strand herumrennen?

Konzentrier Dich auf diese Dinge und lass sie Deinen Tag schöner machen.

So hast Du immer eine Anzahl an kleinem Glück, das Dir durch schwierige Situationen helfen kann – egal, ob sich etwas anderes ändert.

Jeder Tag kann besser werden als der gestrige: Dieses Wissen kann Dein Selbstbewusstsein und Dein Glück steigern.

Ich war mal besessen davon, perfekt sein zu müssen. Wenn ich in etwas nicht die Beste war, konnte ich nachts nicht schlafen. Toll zu sein fühlte sich aber nie so gut an, wie ich es erwartet hatte, weil es immer etwas gab, das ich hätte besser machen können. Ich war also permanent unzufrieden mit mir und von mir enttäuscht.

Nun betrachte ich alles, was ich mache, als eine Chance, vom einen Tag zum nächsten besser zu werden. Es stellt zufrieden, sich ein Ziel zu setzen und es auch zu erreichen – mich besser konzentrieren oder morgen einen zusätzlichen Artikel schreiben zum Beispiel -, als sich Sorgen über Perfektion zu machen – zum Beispiel mich zu stressen, weil ich keine weltbekannte Autorin bin.

Wenn Du Dich auf kleine Fortschritte und Ziele konzentrierst, gehst Du automatisch weiter auf Deine großen Ziele zu.

Und Du wirst Dich für die Art und Weise, wie Du es machst, respektieren.

Wer will ich sein? Du kannst sein, wer Du willst – egal in welchen Umständen.

Vielleicht glaubst Du, dass Dein Leben sich dramatisch ändern muss, damit Du sein kannst, wer Du sein willst. Dass Du nichts abgeben kannst, bis Du mehr Geld verdienst. Dass Du keine Abenteuer erleben kannst, bis Du Dein Haus verkauft hast.

Die Wahrheit ist: Das alles kannst Du jederzeit tun.

Du hast also kein Geld, das Du teilen könntest? Sei verschwenderisch mit Mitgefühl und höre Deinen Freunden zu, wenn sie Probleme haben.

Dein Haus verkauft sich einfach nicht und hält Dich an einem Ort gefangen? Mach Dir Deine eigenen täglichen Abenteuer, indem Du neue Dinge ausprobierst und neue Menschen kennen lernst.

Du weißt nie, wann Du kein „Jetzt“ mehr übrig hast – frag Dich also: „Wie kann ich jetzt, in diesem Moment, die Person sein, die ich sein will?“

Freude im Moment genießen – egal, wie unpassend das scheinen mag: So machst Du andere Menschen glücklich.

Obwohl wir alle unterschiedliche Vorstellungen von unseren Träumen und Zielen haben, steht für die meisten von uns an vorderster Stelle, ein Leben zu leben, das anderen Menschen das Leben schöner macht.

Für Glück entscheidet man sich in jeder Situation aufs Neue, und viele können sich nur schwer entscheiden. Andere Menschen nehmen wahr, wenn Du Dich fürs Glück entscheidest – so motivierst Du sie, das Gleiche zu tun. Wie die Forschungen, die ich oben erwähnt habe, zeigen, kann diese Motivation einen großen Einfluss auf ihre Gesundheit und ihr Glück in der Zukunft haben.

Ich weiß, dass das hier nicht einer meiner üblichen „Gründe zum Glücklichsein“-Artikel ist.

Er hat nicht angefangen mit „Sei dankbar für was Du hast“ und er hört auch nicht so auf, und er vertieft sich nicht in Beziehungen oder Zufällen. Dafür habe ich einen sehr guten Grund:

Ich glaube nicht, dass es beim Glück so sehr um das geht, was Du hast.

Was Du hast verändert sich oft, es entwickelt sich.

Beim Glück geht es vielmehr darum,

wie Du wahrnimmst, was Du schon vor Deiner Nase hast.

Wie stolz Du darauf bist, wie Du Dein Leben lebst.

Wie gut Du es schaffst, das kleine Glück zu genießen, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Auch wenn mir das bisher nicht immer gelungen ist, entscheide ich mich, mich heute auf das Gute zu konzentrieren – sowohl in der Welt als auch in mir selbst – und ab sofort glücklich zu sein.

Wie stellst Du Dich heute auf Dein Glück ein?

Der Originalartikel „7 reasons to be happy even if things aren’t perfect now“ ist auf ihrem Blog TinyBuddha erschienen.

Lori Deschene

Lori Deschene, die Gründerin von Tiny Buddha, sagt über ihren Blog: "Es geht hier darum, über einfache Weisheiten nachzudenken und zu lernen, sie in unser komplexes Leben einzubauen - inklusive der Verpflichtungen, Anstrengungen, Träume und Beziehungen". Sie beschreibt ganz einfache, kleine Schritte auf dem Weg zum Glück. Das kann sie so authentisch, weil sie jahrelang mit sich selbst gekämpft hat und unglücklich war - bis ihr bewusst wurde, dass sie selbst der Schlüssel zum Glücklichsein ist.