Von Facebook abmelden, um glücklicher zu sein? Ein Versuch

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Ich habe mich von Facebook abgemeldet,

weil ich bewusst leben will.

Also habe ich vor anderthalb Jahren meinen Facebook-Account gelöscht – nicht nur deaktiviert, sondern komplett gelöscht – und die Erleichterung war unglaublich groß.

Ich muss nicht mehr

  • regelmäßig die Updates meiner „Freunde“ checken,
  • mich mit Freundschaftsanfragen befassen (ist das jemand, dessen Updates ich in meinem Leben haben möchte? Will ich, dass er meine sieht?),
  • alles Mögliche, das in meinem Leben passiert, posten,
  • mich über unangemessene Posts ekeln,
  • denen zuhören, die ihre neuesten Geschäfte oder Interessen anpreisen,
  • wissen, welches Farmville-Spiel jemand anders spielt,
  • sehen, was andere Leute zum Mittag essen oder zu welchen Partys sie gehen,
  • „lustige“ Fotos sehen,
  • mir Sorgen machen, ob andere mein Update oder mein Foto mögen…

und so weiter und so fort.

Ich möchte gar nicht das, was andere bei Facebook machen, verurteilen, sondern ich möchte den Lärm reflektieren, den wir machen, wenn wir über die Nase in einem sozialen Netzwerk stecken.

Zusammenarbeiten & Online arbeiten

Ein Leben ohne Facebook ist eine interessante Erfahrung.

Ich bin nicht allein: Andere haben ihren Account ebenfalls gekündigt, wieder andere sind noch nie beigetreten.

Ich bekomme nun nicht mehr so sehr mit, was Familienmitglieder am anderen Ende der Welt jeden Tag tun. Sie erzählen mir das Wichtigste in E-Mails oder am Telefon, aber die kleinen interessanten Details gehen verloren.

Genauso gehen aber die Details verloren, von denen ich gar nichts wissen will.

Meiner Erfahrung nach wiegt der Lärm von Facebook sehr viel schwerer, vielleicht sogar 10 zu 1.

Mein Tag ist jetzt ruhiger.

Ich schaue jetzt mehr auf mich selbst. Ich teile immer noch Dinge bei Twitter und Google+, aber nur ab und zu und ich logge mich auch nur einmal am Tag dort ein.

Stattdessen

  • schreibe ich.
  • Ich lese ausführliche journalistische Artikel oder Romane.
  • Ich gehe spazieren und mache Sport.
  • Ich spiele mit meinen Kindern und verbringe Zeit mit meiner Frau.
  • Ich lerne etwas.

Ich kann mich immer noch mitteilen, auch ohne Facebook, Instagram, Pinterest oder Whats App (den letzten Dreien bin ich sowieso niemals beigetreten). Ich drücke mich auf diesem Blog aus und in Artikeln, die ich ab und zu für meine hausgemachte Website schreibe, die ich selbst programmiere und hoste.

Eine eigene Website zu hosten ist gar nicht schwierig, aber auch für diejenigen, die keine Lust haben, sich ein bisschen technisches Basiswissen anzueignen, gibt es Blog-Plattformen, auf denen man sich umsonst mitteilen kann.

Ich kann immer noch mit anderen zusammen arbeiten. Ein paar Leuten e-maile ich, wenn ich Rat brauche. Mit ihnen arbeite ich regelmäßig zusammen, dafür nutzen wir Tools wie Google Docs, die zum Zusammenarbeiten geschaffen sind. Ich treffe mich bei Skype oder Google+ mit ihnen.

Ich bin nicht einsam, weil ich ein soziales Netzwerk nicht mehr exzessiv nutze – ich nutze eine ganze Reihe an Tools, um mit anderen zusammenzuarbeiten oder mich selbst mitzuteilen.

Alleinsein

Menschen sind soziale Wesen, also ist es normal, dass wir auch online sozial sein wollen.

Wir sind aber nur oberflächlich sozial:

  • Hier ein Kommentar,
  • dort ein ‚Like‘,
  • vielleicht eine Nachricht an jemanden, mit dem wir uns gut verstehen.

Das ist aber nicht so reichhaltig wie ein gemeinsames Teetrinken oder gemeinsamer Sport oder ein Spaziergang im Park.

Wir verhalten uns sozial, aber haben wir Angst vor dem Alleinsein?

Macht ein leerer Posteingang Dir Angst?
Langweilen wir uns ohne Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr oder anderen sozialen Websites zu Tode?
Können wir die Verbindung auch einfach mal cutten und der Angst, mit uns selbst allein zu sein, ins Auge sehen?
Ohne Unterbrechungen, nur mit dem, was wir erschaffen wollen?

Versuch es mal einen Tag lang.

  • Logge Dich mal einen Tag lang nicht bei Facebook oder den anderen sozialen Websites ein, die Du sonst regelmäßig öffnest.
  • Schreibe mal einen Tag lang keine E-Mail oder SMS.
  • Löse die Verbindung und erschaffe Neues, reflektiere, schreibe, male, brainstorme, gehe spazieren, sitz allein und meditiere, lies ein Buch.

Dieses Alleinsein kann Angst machen, aber mit der Zeit können wir lernen, unser eigener Begleiter zu sein und dass es keine bessere Gesellschaft gibt.

Das ist eine ganz wertvolle Lektion.

Schlussfolgerung

Wir verpassen soziale Verbindungen und News über unsere Freunde, Familie und Kollegen, wenn wir uns von Facebook abmelden. Wir ticken in einem anderen Rhythmus als der Rest der Welt.

Das bedeutet, dass wir gezwungen sind, zum Rhythmus unserer eigenen Trommel zu laufen, der entsteht, während wir laufen.

Wir müssen den Rhythmus und Grund unseres Lebens selbst erfinden.

Das ist eine schwierige Aufgabe.

Für die Antilope ist es viel einfacher, mit der Herde zu gehen, sich zu bewegen, wie der Rest ihrer Familie sich bewegt, als auf sich allein gestellt zu sein, ihren eigenen Weg finden zu müssen, Angst zu haben, vom Löwen gefressen zu werden.

Trotzdem:

Nimm Dir als Antilope die Zeit fürs Alleinsein und schau, was passiert.

Die Ruhe wird Dir etwas erzählen:

  • Dass der ganze Lärm unnötig war.
  • Dass die anderen Antilopen auch nicht wissen, was sie tun.
  • Dass sie alle in der Herde herumlaufen, wo die Herde sie hinführt, ohne Überlegung oder bewusste Richtungen.

Es ist nützlich, wenn Du lernst, auf Dich allein gestellt zu sein.

Es gibt Dir Macht, zu wissen, dass Du es kannst.

Was für eine Macht es ist, dass Du Deine Verbindung zu anderen für einen Tag oder zwei abschalten kannst und Deine innere Stimme findest, Deinen eigenen Weg gehst, Deinen eigenen Ideen zuhörst und Dir selbst Ratschläge gibst…und Dich gut damit fühlst.

Wie der Soundtrack von Cheers uns schon gesagt hat:

Deinen eigenen Weg in der heutigen Welt zu gehen verlangt Dir alles ab.

Vielleicht ist es zu viel verlangt und Du würdest lieber auf die bekannte Bequemlichkeit der sozialen Netzwerke zurückfallen.

Alles zu geben, um Deinen eigenen Weg zu gehen, ist dafür ein Aufwand, der sich lohnt:

Deine Füße auf dem bisher kaum betretenen Pfad, die frische Luft der Wildnis um Dich herum und Deine eigene Stimme als Deine Gesellschaft.

Das ist alles wert, was Du hast.

„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich.

Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war.

Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ – Henry David Thoreau

Der Originalartikel „Walled-in: Life without Facebook“ ist auf seinem Blog Zen Habits erschienen.

Leo Babauta

Leo Babauta ist der Autor des Blogs "Zen Habits" und mehrerer E-Books. Leo ist 'Minimalist', d.h. sein Ansatz stellt die Reduktion auf das Wesentliche stark in den Mittelpunkt. Im Kontrast zu anderen amerikanischen Coaches plädiert er häufig für weniger Druck, weniger Ziele, weniger preußische Disziplin. Leo Babauta ist verheiratet, hat sechs Kinder und lebt in Davis, Kalifornien.