Meine Leidenschaft zum Beruf machen? 4 Märchen, die Du kennen solltest

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„Große ‚Flud‘ trifft Revere!“

Das war die Schlagzeile der Zeitung, die ich mit meiner Schwester gebastelt habe, als ich sechs war. Meine Rechtschreibung war offensichtlich noch nicht besonders, aber schon damals erkannte ich eine gute falsche Story, wenn ich sie hörte.

Acht Jahre später habe ich ein Buch geschrieben, um mit der Wut klar zu kommen, die ich auf einige Menschen hatte, die mir weh getan hatten.

Das Buch hieß „Die Reihe der Tugenden“ und handelte von der Grauzone zwischen Gut und Schlecht.

Einer meiner Kollegen meines Nachmittagsjobs fragte mich: „Sind alle Kinder heutzutage so scharfsinnig?“

„Deine Arbeit ist es, Deine Welt kennenzulernen und sich ihr dann mit ganzem Herzen hinzugeben.“ – Buddha

Irgendwo zwischen sechs und vierzehn hatte ich also meine Berufung gefunden:
Ich war Autorin, die gerne über schwierige Themen schreibt.

Obwohl ich eine Menge Umwege zwischen dieser Erkenntnis und meiner wirklichen Karriere als Autorin gegangen bin, hat es mich letztendlich zu Tiny Buddha gebracht – den Ort, an dem ich persönliche und berufliche Erfüllung gefunden habe.

Wenn ich zurückblicke wird mir klar, dass ich viele dieser Umwege nur genommen habe, weil ich Angst hatte.

Ich dachte, dass „Autor sein“ einer dieser Berufe ist, der nur wenigen Menschen möglich ist. Also war ich der Meinung, es besser gar nicht zu versuchen, anstatt es zu versuchen und zu scheitern – denn so konnte ich so tun, als hätte ich mich selbst entschieden, nicht zu schreiben. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mich zum ersten Mal vor meiner Leidenschaft versteckt habe. Ich war 26 und Teil eines Marketing-Teams, das durch die USA rannte, um Fitness-Produkte zu vermarkten.

Ich geriet in einen lächerlichen Streit mit einer meiner Kolleginnen über die Bedeutung eines Worts. Sie hatte vorher als Gag-Schreiberin für Radio-Shows gearbeitet (und zugegeben: sie hatte Recht mit der Bedeutung des Worts).

Um ihren Punkt klarzumachen, rief sie:

„Warum glaubst Du nicht, dass ich es weiß? Ich bin Autorin!“

Ich antwortete:

„Ich auch!“

„Ach wirklich!“

, kam es von ihr zurück – und sie legte noch nach.

„Warte mal ab, bis Du nach San Francisco gehst und Dich dort ‚Autorin‘ nennst. Deine Blogs bei MySpace werden da keinen beeindrucken.“

Weil ich ihr vorher alles erzählt hatte, trafen Toms Worte mich besonders – bis mir später irgendwann klar wurde, dass sie mir damit ein großes Geschenk gemacht hatte. Sie hatte mich mit der Wahrheit konfrontiert und auch hier musste ich einsehen, dass sie Recht hatte.

An meinem zweiten Tag in San Francisco bekam ich einen Job als Autorin. Ich schrieb über Seniorenpflege – ein Thema, das mich ungefähr genauso sehr interessierte wie das Paarungsverhalten von Ameisen.

Aber es war eine Entscheidung für einen neuen Weg,

obwohl mir klar war, dass ich nicht wusste, wohin er mich führen würde.

Das trifft auf uns alle zu, jedesmal, wenn wir etwas Neues beginnen.

Es gibt keine Garantie, wo wir landen werden.

Das kann ziemlich beängstigend sein, vor allem, wenn unsere derzeitige Situation uns erlaubt, bequem unsere Verpflichtungen zu erfüllen. Es gibt einfach keine allgemeingültige Formel, mit der wir unsere Leidenschaft entdecken und in eine neue berufliche Karriere umwandeln können.

Trotzdem habe ich einige Dinge gelernt, wenn es um Leidenschaft im Beruf geht – und ich habe auch gelernt, dass einige Dinge, die ich mal für wahr gehalten habe, schlicht und ergreifend Märchen sind.

Mythos Nummer 1: Tu was Du liebst – und das Geld wird folgen

Wenn es etwas gibt, das uns davon abhält, unsere Leidenschaft zum Beruf zu machen, ist es die Angst, nicht mehr für uns (und unsere Familie, wenn wir eine haben) sorgen zu können.

Deshalb bleiben wir in den Jobs, die uns nicht zufrieden stellen:

Das Gehalt, das hoch genug ist, hält uns dort – oder das Gehalt, das höher als genug ist, was es noch schwieriger macht, zu gehen.

Dabei vergessen wir aber, dass Erfolg – egal in was – immer einen großen Anteil Arbeit und Ungewissheit erfordert. Das Risiko ist immer dabei. Auf jeden, der es geschafft hat und das tut, was ihm Spaß macht, kommen unzählige andere genauso Talentierte, die es nicht geschafft haben.

Das heißt nicht, dass wir unseren Leidenschaften nicht folgen sollten.

Es heißt, dass wir zufriedener sein werden, wenn wir Erfolg nicht nur am finanziellen Gewinn messen.

Das kann bedeuten, dass wir mit weniger auskommen müssen oder dass wir einen zweiten Job annehmen müssen, um unsere Leidenschaft leben zu können.

Natürlich kannst Du eine Situation schaffen, in der Deine Leidenschaft für Geld sorgt – wenn das Geld nicht Deine größte Motivation war, ist das natürlich das Tüpfelchen auf dem I.

Tu was Du liebst, dann wird der Spaß folgen.

Tu was Du liebst, dann wirst Du Dich erfüllter fühlen.

Tu was Du liebst, dann wird Dir das Geld weniger wichtig.

Diese Dinge haben sich für mich bewahrheitet.

Mythos Nummer 2: Spring einfach – das Auffangnetz kommt von allein

Einfach zu springen macht Angst

– vor allem, wenn Du nicht weißt, wo oder wie Du landen wirst. Viele von uns bleiben schon in der Planung hängen, weil wir ganz sicher gehen wollen, dass wir keinen Fehler machen, den wir eines Tages bereuen werden.

Also warten wir, sammeln Informationen, malen uns alle möglichen Ausgänge aus, wollen negative Ausgänge vermeiden, und versteifen uns auf unsere guten Vorsätze, die wir in vielen Fällen dann doch nicht in Taten umsetzen.

John Burroughs hatte nicht ganz Unrecht mit dieser Vorstellung:

Wir sind motiviert, weiterzumachen, weil wir uns vormachen, dass wir nicht auf die Nase fallen werden – aber die Wahrheit ist, dass genau das manchmal passieren wird.

Es ist wichtig zu wissen, dass wir wieder aufstehen können, wenn wir auf der Nase landen, und dass jedes Fallen wertvoll ist. Jedes Mal, wenn das Auffangnetz nicht da ist, lernen wir ein bisschen mehr, unser eigenes Netz zu stricken.

Wir lernen außerdem, uns im Fall wohlzufühlen – wenn wir ehrlich sind, leben wir doch im permanenten Fall. Das Leben ist nun mal nicht vorhersehbar, egal, ob wir große Risiken eingehen oder nicht. Nicht nur die Sprünge geben unseren Erfolg vor – auch unsere Fähigkeit, durch das Unbekannte zu segeln, und unser Wille, von jeder Landung etwas zu lernen.

Mythos Nummer 3: Tu was Du liebst und Du wirst nicht einen Tag Deines Lebens arbeiten müssen

In jedem Job oder Unternehmen musst Du Dinge tun, die Du lieber nicht tun würdest.

Ich liebe es zu schreiben und mit Leuten in meinem Blog oder in den Social Media zu sprechen, aber ich mag Marketing und mich selbst anpreisen nicht besonders. Diese beiden Dinge fühlen sich für mich immer nach Arbeit an, so wie die vielen administrativen Aufgaben, die nötig sind, um meine Website leben und wachsen zu lassen.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sich Deine Leidenschaft nach Arbeit anfühlen kann:

Es ist einfach so, dass die meisten Aufgaben sich auf einmal anders anfühlen, wenn sie unser Einkommen sichern.

Der Blogger Clay Collins hat in einem seiner Artikel von einem psychologischen Experiment von 1956 erzählt, in dem festgestellt wurde, dass Menschen eine höhere intrinsische Motivation haben, wenn sie nur wenig Geld für die Erledigung von Aufgaben bekommen. Wenn die finanzielle Belohnung steigt, wird das Geld auf einmal zur Motivation – mit dem Ergebnis, dass es keinen Spaß mehr macht, die Aufgabe zu erledigen.

Ich glaube, dass das viel mit einem Gefühl der Freiheit zu tun hat:

Wir haben den meisten Spaß, wenn wir etwas freiwillig tun.

Arbeit in jeder Form erfordert aber ein Bekenntnis, das unabhängig von unseren vorübergehenden Launen ist – also müssen wir uns bewusst machen, dass auch der noch so schönste Weg seine Höhen und Tiefen haben wird.

Wenn uns das bewusst ist, können wir sehr viel einfacher an etwas dranbleiben, auch wenn es nicht dem romantischen Bild entspricht, das wir im Kopf hatten. Darum geht es, wenn du Deine Leidenschaft zum Beruf machst:

Sei Dir bewusst, dass es immer etwas geben wird, das Dir nicht so einen Spaß macht.

Mythos Nummer 4: Jeder kann zu jeder Zeit bestimmen, ab jetzt das zu tun, was er liebt

Das mag jetzt vielleicht gegen die allgemeine Ansicht verstoßen, aber ich habe festgestellt, dass es nicht immer klug ist, von jetzt auf gleich alles fallen zu lassen und seiner Leidenschaft zu folgen.

Ich sage nicht, dass wir im Wartezustand bleiben und bis an unser Lebensende analysieren, planen und stagnieren sollen. Es ist zwar wahr, dass wir jederzeit anfangen können, unsere Leidenschaften in unser Leben einzubauen.

Ich sage aber, dass wir manchmal erst mal ein bisschen Kleinarbeit erledigen müssen, um unsere Leidenschaft zum Beruf zu machen. Diese Kleinarbeit ist für jeden anders und hängt von den jeweiligen Umständen ab.

Flexo von Consumerist Commentary hat einen interessanten Kommentar abgegeben, in dem er Maslows Bedürfnispyramide genutzt hat.

  • Unsere physiologischen Bedürfnisse – Luft, Essen, Wasser, Schlaf – sind die Basis der Pyramide.
  • Darüber folgt Sicherheit, die Finanzen, Beruf, Gesundheit und den Körper betrifft.
  • Darüber folgen unsere sozialen Bedürfnisse, zum Beispiel Liebe und Familie.
  • Diese werden wiederum gefolgt von Ansehen – also Selbstachtung, Fähigkeiten und Anerkennung.

Ganz zum Schluss, ganz oben in der Pyramide, ist die Selbstverwirklichung.

Flexo sagte, dass das Verfolgen unserer Leidenschaften verwandt ist mit der Selbstverwirklichung und dass wir dafür genauso unsere Grundbedürfnisse gestillt wissen müssen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass das nicht allumfassend gültig ist.

Einige der leidenschaftlichsten, erfolgreichsten Menschen haben viele ihrer Bedürfnisse hinten angestellt, um ihr eines Ziel zu erreichen.

Die Grundannahme bleibt aber dieselbe:

Nicht jeder kann sich den Luxus leisten, von jetzt auf gleich ein großes Risiko einzugehen.

Wenn Du Familie hast, musst Du wahrscheinlich haargenau planen, wenn Du Dich in eine neue Richtung entwickeln möchtest. Wenn Du Dich jeden Monat von Gehalt zu Gehalt kämpfst, musst Du vielleicht in Deinem Job weiter arbeiten, während Du Deiner Leidenschaft folgst, um irgendwann nur von ihr leben zu können.

Das mag vielleicht entmutigend klingen – oder Dich motivieren, einen ehrlichen Blick auf Deine derzeitige Situation zu werfen und einen Plan aufzustellen, der Deine persönlichen Pflichten und Deine persönlichen Bedürfnisse berücksichtigt.

Ja nach Situation haben wir unterschiedliche Vorteile. Manche sind glückliche Zufälle, andere basieren auf Entscheidungen, die wir getroffen haben. Wir können immer nur dort starten, wo wir gerade sind. Wenn wir die Kraft haben, einfach unsere Karten zu spielen, anstatt zu fragen, warum wir keine anderen Karten ausgeteilt bekommen haben, können wir jederzeit entscheiden, in Richtung unserer Leidenschaft zu arbeiten.

Das ist nicht so einfach und eingängig wie der Amerikanische Traum, aber es ist eine sehr viel realistischere Darstellung dessen, was für uns möglich ist.

Ganz wichtig ist es, nicht zu vergessen, dass so viel noch möglich ist für uns. Wir haben alle verdient, jeden Tag Spaß am Leben zu haben.

Wenn wir gewillt sind zu träumen, hart zu arbeiten und durch unbekanntes Terrain zu segeln, haben wir alle das Potenzial, genau das zu tun.

Der Originalartikel „What it means to live the dream“ ist auf ihrem Blog TinyBuddha erschienen.

Lori Deschene

Lori Deschene, die Gründerin von Tiny Buddha, sagt über ihren Blog: "Es geht hier darum, über einfache Weisheiten nachzudenken und zu lernen, sie in unser komplexes Leben einzubauen - inklusive der Verpflichtungen, Anstrengungen, Träume und Beziehungen". Sie beschreibt ganz einfache, kleine Schritte auf dem Weg zum Glück. Das kann sie so authentisch, weil sie jahrelang mit sich selbst gekämpft hat und unglücklich war - bis ihr bewusst wurde, dass sie selbst der Schlüssel zum Glücklichsein ist.