Drama, Baby! Vom kleinen Streit zum großen Konflikt – und zurück

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und ich unterstelle: Keiner findet Konflikte dringend.

Zu wissen, wie man es NICHT macht, hilft mir (und Dir vielleicht auch?), zu lernen, was besser wäre. Also möchte ich Dir in diesem Artikel ein paar Tipps geben,

a) wie Du Dein Gegenüber erfolgreich auf die Palme bekommen kannst, um aus einem kleinen einen Riesen-Konflikt zu machen (die sind bewährt – ehrlich!).

Und weil ich natürlich nicht will, dass Du danach den Weltfrieden gefährdest, weil Du das dann SOOO gut kannst, zeige ich Dir danach

b) ein paar simple Methoden, wie es besser geht.

Die folgenden Tipps dürften hilfreich sein in Situationen, in denen beide eigentlich gut miteinander klar kommen wollen.

In einer Situation, in der der andere

  • entweder keinen Austausch mit Dir will, nutzt es natürlich nichts.
  • Oder unehrliche, wenn nicht sogar bösartige Absichten hat (sowohl beruflich als auch zwischenmenschlich natürlich auch drin) – daran wird ein ‚gutes Gespräch‘ nix ändern. Sei darüber realistisch – das gibt es eben auch.

Für alle Beziehungen, in denen Ihr beide wollt, dass das gut miteinander funktioniert und Spaß im Leben oder bei der Arbeit macht, seien es Partnerschaften, Ehen, Kollegen, gute Freunde, beste Freundinnen dürften diese Tipps hier hilfreich sein.

Ich persönlich habe mich natürlich ordentlich im ersten Teil ausprobiert. 😉

Inzwischen habe ich aber den zweiten Teil, wie es auch anders geht, öfter im Einsatz. 🙂

Großes Drama in 15 Schritten:

  1. Überleg Dir keine Sekunde, WARUM Du böse auf den anderen bist – und was Du von ihm willst oder nicht willst, sondern stürze Dich möglichst unvorbereitet in den ‚Kampf‘.
  2. Starte das Gespräch damit, dem anderen eine verbale Handgranate rüber zu werfen – im Stil von: „Du kannst froh sein, dass ich überhaupt noch mit Dir rede.“
  3. Bewirf den anderen mit Schlussfolgerungen, die Du ganz allein gezogen hast – und lasse ihn oder sie auch nichts dazu sagen.
  4. Enge den anderen ein und/oder stell Ultimaten: „Du MUSST… x machen“.
  5. Generalisiere bis der Arzt kommt: „IMMER machst Du, …..“ „NIE kriege ich von Dir….“
  6. Klebe in der Vergangenheit – häng Dich daran fest, was vorher scheiße war, geh fest davon aus, dass sich diese Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreiben wird und dass es keine Lösung gibt.
  7. Sag nicht klar, was Du willst – beharre auf dem, was Du nicht willst (das können wir Mädels meist recht gut!).
  8. Mach es zu Deinem Ziel, Recht zu haben – oder noch besser: Mach einen Machtkampf daraus, der beweisen wird, wer generell besser, größer, schöner… ist. 😉
  9. Geh fest davon aus, dass Deine Wahrnehmung die einzig mögliche Wahrheit ist.
  10. Stell keine offenen Fragen und hör dem anderen nicht zu.
  11. Interessier Dich keinen Meter dafür, was beim anderen quer sitzt.
  12. Erwarte vom anderen, a) sofort zu verstehen, was los ist sowie b) wenn er/sie es verstanden hat, unmittelbar in Entschuldigungen, Unterwerfungsgesten (demütig gesenkter Nacken), Schuldeingeständnisse auszubrechen.
  13. Sofortige Einsicht erwarten darüber, was überhaupt los ist – denk dran: Wenn der andere das Ganze so sehen würde wie Du, gäbe es das Problem ja nicht.
  14. Selbst wenn sich rausstellt, dass das Ganze halb so wild war: Sei danach möglichst unversöhnlich – schließlich hat der andere Dir ja diese Aufregung absichtlich angetan! 😉
  15. Achso – als Sahnehäubchen – wenn der andere noch nicht ganz oben auf der Palme ist: Klugscheißen in Detailfragen – das kommt super!

=> Don’t try this @home!

Soweit dazu, wie man es im Streitfall NICHT macht – natürlich hatte ich mich im Dienste der Wissenschaft geopfert, um das alles auszutesten, ist klar, gell!? 🙂

Wenn Dir all das unbekannt vorkommt, ist das großartig. In diesem Fall vergiss den ersten Teil „wie ich aus einer Mücke einen Elefanten mache“ auf der Stelle wieder und lies lieber den zweiten Teil:

Bei einem Streit die Kirche im Dorf lassen – 16 Tipps, wie es klappt:

Eine faire Chance gibst Du Euch beiden, den Konflikt rasch und gut aufzulösen, wenn Du es mit diesen Tipps angehst:

  1. Von vornherein klarer besprechen: Z.B. hatte die Freundin vorher gern versprochen, beim Umzug zu helfen, aber ihr war nicht klar, dass Du nix vorgepackt haben wirst. Du dachtest, das sei doch logisch, weil das ja Teil des Umziehens ist. Implizite Annahmen, das heißt, Dinge, von denen wir selbstverständlich ausgehen, sind sehr oft Streitgründe.
  2. Wenn’s was ‚Größeres‘ ist, sammle vorher Deine Gedanken, Gefühle, Ängste schriftlich. So bekommst Du einen Überblick, was bei Dir gerade los ist.
  3. Starte das Gespräch damit, erst mal zu sagen, worüber Du sprechen willst: „Ich habe von Susanne gehört, Du kommst am Sonntag zum Grillen dorthin – mein letzter Stand war, dass Du mir da bei X helfen wolltest. Ich hatte jetzt schon Panik bei dem Gedanken, dass das eventuell nicht klappt – wie ist sieht es denn damit aus?“
  4. Bezieh Dich klar auf den konkreten Punkt, um den es geht – nicht um ein „Allgemein“, „Immer“, „wieder typisch“ etc.
  5. Geh davon aus, dass sich eine Lösung / Aufklärung finden wird.
  6. Wenn der Andere antwortet, dann hör zu – vielleicht hat er ja was Erhellendes dazu zu sagen (das ist zu mindestens 60% der Fall).
  7. Mach es dem anderen leichter, Deinen Bedarf aus Deiner Brille zu sehen – evtl. mit einem Beispiel („wenn ich jetzt umgekehrt für Dich x täte und mache ich so und so – wie würdest Du das empfinden?“).
  8. Überlege, welche Bedeutung Du bestimmten Fakten beimisst – und warum – und tauscht Euch gegenseitig darüber aus.
  9. Sag klar, was Du warum nicht mehr willst und was Du brauchst, um Dich wieder entspannen zu können: „Wenn Du mir sagst, dass Du das machst, dann bedeutet das für mich ein Versprechen – und dann verlasse ich mich drauf. Also hätte ich entweder gern, dass Du es mir nicht zu leichtfertig versprichst – oder wenn, dass ich mich drauf verlassen kann.“
  10. Nimm ihren/seinen Bedarf, seine Wahrnehmung ernst.
  11. Knüpfe an einem gemeinsamen, übergeordneten Punkt an: „Wir wollen es doch beide letztlich nett haben in diesem Urlaub – können wir nochmal offen klären, was es dafür braucht?“
  12. Akzeptiere, dass sich eine Situation oder eine Meinung geändert haben kann – das passiert Dir doch auch manchmal?
  13. Wenn Du irrational bist (und wir sind es oft genug) – dann sei ehrlich: „Ich kann Dir gar nicht genau sagen, warum mich das so nervt, aber das tut es eben im Moment“ anstatt so zu tun, als ginge es um die Fakten.
  14. Sprich darüber, wie gut und lohnend es sein kann, wenn ihr dieses Thema gut löst – welche Möglichkeiten das birgt – und den anderen unterstützt und bestärkst.
  15. Lass dem anderen seinen Stolz, ‚kämpf‘ nicht bis zum Gesichtsverlust auf der anderen Seite. Meistens ist das nur ein Phyrrus-Sieg (ha! das Wort wollte ich schon lange mal verwenden! :)) Ein Phyrrus-Sieg meint: Vordergründig gehst Du als Sieger vom Platz – aber der andere wird sich später, wenn sich die Chance ergibt, mit größtem Genuss rächen.
  16. Wissen, wann gut ist: Wenn’s geklärt ist, ist es geklärt, dann gibt es einen neuen Anfang in eine bessere Richtung – und der erste Schritt dafür sollte vereinbart werden (aber auch nicht mehr).

Willst Du Recht haben – oder willst Du glücklich sein?

Ein paar Sonderregeln:

  • Mit Labern ist es nicht getan!
    Wenn jemand wiederholt mit Dir ‚gute Gespräche‘ führt, aber nicht anders handelt, schau bitte mehr auf die Taten als auf die Worte.
  • Mit Menschen, die man bereits lange kennt, tendiert man oft dazu, an früheren Verhaltensweisen oder Eindrücken zu ‚kleben‘: Lass dem anderen die Chance, sich positiv weiter zu entwickeln, verhafte ihn / sie nicht auf olle Kamellen. Sei offen dafür, wie der andere heute und hier ist.
  • Manchmal zeigen uns Konflikte leider, dass wir uns in einem wesentlichen Punkt (v.a. im Wertesystem) auseinander entwickelt haben. Z.B. unter Freunden – dem einen ist die Karriere super wichtig, dem anderen die Familie. Wenn wir es dann weiter gut hinkriegen wollen, werden wir uns wahrscheinlich mehr austauschen müssen als vorher. Oder wir akzeptieren, dass sich die Dinge und Menschen auch ändern.
  • Nicht streiten, Konflikten aus dem Weg gehen, ist keine gute Option.
    Zum einen schlägt es meist überproportional zurück. Zum anderen nimmt es Beziehungen den speziellen Wert, dass wir es uns gegenseitig nämlich wert sind, uns miteinander auseinander zu setzen, dass uns die Bedürfnisse des anderen wichtig sind, auch wenn es für uns selbst grade mal nicht bequem ist.

Mit Konflikte besser umgehen: Deine Erfahrung, Deine Tipps, Deine Fragen:

  • Welchen der Tipps hier oben willst Du das nächste Mal anwenden wenn es wieder schwierig wird?
  • Erkennst Du den ein oder anderen Tipp wieder? Wann und wo hast Du ihn erfolgreich angewendet?
  • Wenn Du an jemanden in Deinem Umfeld denkst, der sich regelmäßig schwer tut, Konflikte gut zu lösen – welchen weiteren Tipp hast Du für sie oder ihn?

[Bildquelle: Nicht klar identifizierbar – es handelt sich um die zwei Profi-Streithähne Don Camillo & Peppone. :)]

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.