Kopfmenschen und das Glück: Vom Denken & zu viel Denken

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„Ich denke zu viel!“: Denkst Du noch – oder lebst Du schon?

In diesem Artikel geht es darum, wie ich herausfand, dass VIEL Denken schädlich sein kann und wie ich mein Lebens-Glück deutlich erhöhen konnte, indem ich von VIEL denken zu GEZIELTER denken gewechselt habe.

Wenn Du Dir auch manchmal denkst:

„Warum mache ich mir wieder so viel unnütze Gedanken?“

oder

„Naja, vielleicht denke ich wirklich zu viel“,

dann dürfte dieser Artikel interessant für Dich sein oder vielleicht zu einem A-ha-Erlebnis führen. 🙂

1. Warum Denken können supercool und sexy ist

Im Studium lernt man denken: Wissen und Fakten werden in großer Menge in den Kopf gesteckt, verarbeitet, hin und her gewälzt, verfeinert, hinterfragt, im letzten Detail diskutiert. Wenn es gut läuft, wird man dabei schlauer und in der Disziplin ‚Denken‘ mit der Zeit geübter. Eine sehr nützliche Sache – das mit dem Denken. Bis zu einem gewissen Punkt.

Das Wunderbare am Denken: Sobald ich meinen Kopf dabei habe, brauche ich zum Spaß haben nichts mehr:

Ich kann wunderbare Diskussionen führen, mich an der Analyse von Situationen erfreuen, theoretische Problemlösungen durchprobieren bis der Arzt kommt – alles für 0 Cent und ohne iPad, Handy, Laptop, einfach so. Unabhängig von Raum und Zeit, völlig mobil, alleine, notfalls in einem dunklen Raum.

2. Die Gefahren des Denkens

Gefahr 1: Ich bin schlau, also bin ich (toll).

Schlau denken zu können wird als ‚Studierter‘ zum Teil der Identität: Ich kann denken, also bin ich. Ich bin schlauer als Person X, also bin ich MEHR Mensch….?

Leider führt das Denken-Können leicht zu Überschwang – man denkt, weil man so toll analysieren kann, weil man so toll konzipieren kann, weil man alles so tierisch toll durchblickt, wäre man ein Superhecht.

Risiko im Extremfall: Intellektuelle Spiegelwichserei.

(sorry fürs harte Wort – aber das trifft es am besten!) => Keine gute Lösung!

Gefahr 2: Masse statt Klasse

oder: Denken hilft zwar, nützt aber nichts 😉
Tatsächlich trainieren wir während des Studiums das Hirn ‚hoch‘. Meine Erfahrungen mit dem Hochgeschwindigkeits-Wegfräsen von 3 Meter hohen Buchstapeln zu merkwürdigen Spezialgebieten zeigen, dass das Hirn sich erstaunlich anpassen kann, wenn Höchstleistungen gefragt sind.

Der Denk-Muskel wird also trainiert – aber wird er eventuell über-trainiert?

Wie viele Gedanken denkst Du am Tag – und wieviel davon sind wirklich nützlich, problemorientiert und nicht einfach nur kleinkrämerisches Gegrübel?

Risiko im Extremfall: Denken ohne Ergebnis, stattdessen Grübelei, Depression.

Problem 3: Denken mit Taten verwechseln

Wer immer nur denkt und schreibt, vergisst leicht, dass damit in der realen Welt noch nichts passiert ist.

Es ist ein deutlicher Vorteil, in der Lage zu sein, VOR einer Handlung zu denken.

Aber passieren tut etwas dann, wenn ich entsprechend HANDLE. An der Schwelle von Denken, Diskutieren, Vorbereiten hinüber zum Tun scheitern wir Akademiker regelmäßig. Hauptsache, wir haben eine gute Analyse, ein schlüssiges Konzept – der Rest klärt sich dann schon.

Die traurige Wahrheit ist: Der Rest klärt sich NICHT von selbst – außer Du hast eine treue Armada von Erfüllungsgehilfen, die Dir zur Hand gehen, Deine tollen Pläne umzusetzen, irgendwas mit Deinen Analysen anzufangen und letztlich wirklich was hinzubekommen.

Risiko im Extremfall: 10 Jahre Labern beim Rotwein am Küchentisch – nix getan, nix geändert

Zusammengefasst: Die massiven Risiken ungesteuerten Denkens

Nochmal im Überblick – die Hauptrisiken ungesteuerten Denkens können diese Folgen haben:

1. Intellektuelle Spiegelwichserei
2. Denken ohne Ergebnis, Grübelei, Depression
3. 10 Jahre Labern beim Rotwein am Küchentisch – nix getan, nix geändert

=> insgesamt eindeutig eine Gefahr für Dein und mein Glück.

Ich kann Dir sagen: Ich war in HÖCHSTER Gefahr! 🙂

Zum Glück geht es auch anders:

3. Dem Problem auf die Schliche kommen

Von zu viel denken hin zu weniger denken
Ein paar Jahre nach meinem Berufseinstieg fiel mir auf, dass ich ein Problem mit meinem Hirn hatte:

  • Mein Hirn dachte wann immer es wollte, was immer es wollte.
  • Mein Hirn machte sich um großen Blödsinn Gedanken.
  • Mein Hirn drehte sich zu nervenden Punkten wie einem nervigen Chef ständig im Kreis.

Mein Hirn führte eine Existenz unabhängig von mir! 😉

„Etwas weniger Hirn wäre schön!“

Ja, diesen Gedanken hatte ich zu der Zeit ein paar Mal. Ich habe es mit Freunden offen diskutiert.

„Die dümmsten Bauern haben ja nunmal die dicksten Kartoffeln“

war der Kommentar – und bestimmt nicht weil sie sich so einen riesigen Kopf drum machen. War da was dran?

Gedanken, die nur so vor sich hinwuchern, sind nichts anderes als eine Art Geschwür.

Sie sind ein Zuviel an unkoordiniertem Muskel.

Das Hirn denkt in einem solchen Fall in Masse, nicht unbedingt in Qualität.

4. Mach Dein Hirn wieder zum Verbündeten Deines Glücks

Schritt 1: „Ich bin nicht meine Gedanken!“ – Mit Yoga und Meditation Abstand zum eigenen Denken gewinnen

Als ich mit Yoga anfing, merkte ich: Das tut mir gut. Nicht nur wegen der Übungen – auch, weil im Vinyasa und Ashtanga-Yoga (meinen bevorzugten Yoga-Arten) eine Bewegung auch einen gedanklichen Konzentrationspunkt beinhaltet.

Als ich dann mit Meditation begonnen habe, stellte sich nicht von heute auf morgen, sondern schleichend die Erkenntnis ein:

Auch wenn ich nicht denke, BIN ich.

Ich bin mit oder ohne meine Gedanken DA.

Ich bin gar nicht meine Gedanken.

Und DER Gedanke war vielleicht ungewohnt!

Schritt 2: Theorie und Praxis nicht mehr verwechseln

Da wir heute so viel mit Gedanken, Wörtern, Konzepten arbeiten, können wir uns ziemlich lange vor einem faktischen Tun drücken. Je nach Umfeld (ich schiele hier Richtung Konzern ;)) gewöhnen wir uns den Drang nach dem Tun vielleicht sogar ab: Immerhin gibt es schon ein gutes Konzept! 😉

Ich habe also gelernt:

Im Yoga – und im Leben – zählt nur die Praxis.

Das TUN.

Die Theorie, das Drüber-Nachgrübeln – das verändert nichts, das bringt keine Ergebnisse, keine Veränderung.

Gedanken sind als Vorbereitung gut – und dann haben Handlungen zu folgen, so ist das.

Schritt 3: TUN und DENKEN bewusster trennen

Habe ich das Denken nach diesen Erkenntnissen abgeschafft?

Nein!

Ich versuche, bewusster zu entscheiden, wann ich DENKE und wann ich TUE.

Nach wie vor ist das nicht immer einfach – aber ich erkenne es inzwischen überhaupt, wenn mein Hirn sich gerade unproduktiv oder unkooperativ verhält. Allein der Wechsel zwischen Denken und Tun und das bewusste Eingreifen macht viel mehr Handlung möglich.

Schritt 4: In kleinen Schritten ins Tun kommen

Mit dieser Grundlage konnte ich mein Leben anders gestalten.

Ich fing an Gedanken, Ideen in einem kleinen, rasch zerfledderten Notizbuch aufzuschreiben – und möglichst rasch kleine Dinge daraus umzusetzen. Zum Beispiel habe ich an einem Gedicht-Wettbewerb teilgenommen und mir genau 15 Minuten gegeben etwas zu schreiben und einzureichen.

Oder ich habe ich mit anderen Menschen über meinen Geschäftsideen gesprochen und letztlich mein Unternehmen gegründet.
Zur Korrektur:

Nur TUN ist auch keine Lösung

Just to make sure: Ungefiltert ALLE Ideen umzusetzen und unüberlegt direkt los zu rennen ist auch nicht bewährt! 🙂

Denken ist das exzellente Mittel der Wahl, um Ideen in ihrer Umsetzung weiterzuspinnen – und das ohne Geld dafür auszugeben und in Zeitraffer. Nachdem verschiedene Ideen so geprüft wurden, kannst Du entscheiden, für welche davon Du Zeit, Geld, Handlungen investieren willst.

Zeit für Reflexion zwischen Phasen des Handelns sind ebenfalls extrem wichtig, um zu entscheiden, WELCHE Handlung als nächstes Sinn macht.

Wenn Du Dich eine Weile dabei beobachtet hast, wirst Du merken, dass Dir zunehmend klarer wird, wann eine Phase des Handelns oder Denkens vorüber ist.

Schritt 5: Dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben

Inzwischen sind meine Macher-Qualitäten besser, mein Leben wird gelebt, nicht nur ergrübelt. Wenn Du jetzt denken solltest:

„Super, die hats jetzt geschafft – und wenn man mal ‚drin‘ ist, dann ist es ja eh einfach.“,

muss ich Deinen eventuellen Neid und Ehrfurcht dämpfen. Immer wieder neu (und damit meine ich: Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag) muss ich mich erinnern, dass ich das schon begriffen habe.

Immer wieder neu fordert mir das Leben eine nächste Stufe wie eine Art Test ab.

Ich gehe davon aus, dass man da immer dran bleiben muss. Aber sonst würde das Leben ja langweilig – und das ist es zum Glück nicht! 🙂


  • Was ist Deine Erfahrung mit dem Denken – denkst Du zu viel? Kannst Du weniger oder besser denken?
  • Was hat sich für Dich bewährt?
  • Welche Tipps hast Du für Life-Preneure, die lernen wollen, weniger oder hilfreicher zu denken?

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.