Ziele visualisieren: Warum wir damit unnötig scheitern können

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In Büchern wie z.B. „The Secret“ ist die Rede davon, dass Du Dir, um ein Ziel zu erreichen, dieses Ziel möglichst exakt ‚visualisieren‘, ausmalen, Dich hineinfühlen, Dich in der Szene sehen sollst. Die Idee ist, dass dieses Bild Deinem Unterbewusstsein als eine Art Kompass dient. Das mag zutreffen und ich selbst habe erlebt, wie hilfreich das sein kann, wenn man eine klare Vorstellung hat.

Nur folgende wesentliche Information fehlt dabei meistens.

Das ganze Ziele-visualisieren-Ding hat einen dicken fetten Pferdefuß:

Unkomplizierte, kleine Ziele, Dinge, die man schon aus der Nähe gesehen hat oder für die ich Vorbilder im Kopf habe – die funktionieren in meiner Vorstellungskraft.

Für richtig große Sachen, Dinge, die ich noch nie getan oder aus der Nähe gesehen habe, jedoch – dafür reicht selbst meine blühende Phantasie nicht aus.

Und es kann gut sein, dass es Dir ähnlich geht.

Wie ich wegen zu geringer Vorstellungskraft einen Traum zu früh aufgab

Als ich ein Teenie war, da hatte ich eine Phase, in der wollte ich Mode-Designerin werden.

Ja, ich sehe Dich sanft darüber lächeln.

Trotzdem: Ich hatte eine echte Leidenschaft. Ich habe zuerst alles mit der Hand genäht, bis meine Mutter sich erbarmt hat, meiner Oma das Geld für eine Nähmaschine aus den Rippen zu leiern.

Ich habe Entwürfe gezeichnet bis der Arzt kam, alles auch nur Stoff-ähnliche in Kleidungsstücke umgewandelt.

Zum Schrecken meiner Eltern habe ich die Kreationen stolz in der Schule angezogen – und es hat mich KEINEN Meter gejuckt, ob der Rest der Welt das merkwürdig fand.

Alles gute Zeichen, dass es mir ernst mit diesem Lebenstraum war, oder?

Und doch hatte ich ein Problem:

Ich hatte zu wenig Stoff für meine Vorstellung.

Coco Chanels Autobiographie hatte ich inhaliert, aber sie hat mir zu wenig darüber verraten, wie sie wurde, was sie ist.

Im Umfeld meiner Familie gab es niemanden, der nur ansatzweise mit etwas Kreativem Geld verdient, ein Ansehen dafür hatte.

Trotz aller Infos über Unis und dergleichen konnte ich es mir letzten Endes nicht wirklich vorstellen.

Bücher über Visualisierung und Ziele hatte ich gar keine gelesen.

Meine sogenannte Intuition sagte mir:

Wenn Du es Dir vorstellen kannst, dann wird es schon gehen.

Und wenn nicht…?

Mein Ziel ließ sich nicht visualisieren.

Ich sah es einfach nicht.

Statt einem wunderbaren klaren Bild als Ziel war bei mir nur Nebel.

Ich gab den Traum auf.

Es gibt gute Gründe, einen Traum aufzugeben.

Manchmal geht das, was man will, eben nicht.

Oder im Moment noch nicht.

Oder nicht so, wie man dachte.

Zu geringe Vorstellungskraft in Relation zum Traum ist kein guter Grund, aufzugeben.

Denn im Nachhinein hatte ich keinen guten Grund, alles weg zu entscheiden.

Den hätte ich vielleicht gehabt,

  • NACHDEM ich 4 Jahre lang in Paris Praktika gemacht,
  • NACHDEM ich erfolglos an 20 Colleges Bewerbungen abgegeben,
  • NACHDEM ich eine Meisterlehre als Schneider gemacht hätte

und es immer noch nicht funktioniert.

Ich habe viel früher, viel zu früh aufgegeben.

Zum Glück: Heute bin ich schlauer. Und Du jetzt auch! 🙂
Mir ist inzwischen klar, dass ich diese Vorstellung gar nicht haben konnte, denn sie war irre weit, 70.000 Meilen, eine Galaxie von meiner bisherigen Welt und den gefühlten Möglichkeiten meines Umfelds entfernt.

Mir ist jetzt klar, dass ich mindestens zwei Alternativen gehabt hätte:

ERSTENS:
Mich nicht davon beeindrucken zu lassen, dass ich mich noch nicht da sehe, wo ich hinwill. Schließlich muss man in alles erst hineinwachsen.

Ich hätte Schritt für Schritt weiter losgehen sollen.

Wie Stefan Zweig sagt:

„Dem Mutigen schiebt sich der Weg unter die Füße.“

ZWEITENS:
Meine Vorstellungskraft gründlicher anzufüttern, mehr Informationen, mehr Menschen, mehr passende Eindrücke finden. Direkt an die Quelle zu gehen anstatt mich auf Information über Dritte zu verlassen.

Informationen aus der echten Welt bekommen, Gespräche mit Menschen, möglichst nah ans zukünftige Ziel rangehen – all das kann die Vorstellungskraft anfüttern UND unterwegs Chancen eröffnen.

Wer weiß, vielleicht hätte ich gemerkt, dass ich das gar nicht wirklich will – und mich mit gutem Gefühl dagegen entschieden.
Oder ich hätte gemerkt, worum es mir geht – und mir meine ganz eigene Lösung gestrickt.

Mich von zu wenig Vorstellungskraft, zu wenig Nähe zu dieser so anderen Welt stoppen zu lassen – das war nicht das Richtige.

Heute habe ich wieder einen großen Traum

– ich möchte ein wunderbares Unternehmen aufbauen. Schon oft habe ich im Bett gelegen und versucht, mir vorzustellen, wie mein multinationales Firmenimperium (ja, das ist absichtlich übertrieben :)) blüht und gedeiht – und?

Nix.

Keine klaren, detaillierten Bilder.

Ja, da sind ein paar Bilder.

An manchen Ecken Nebel.

Das detaillierte große Bild ist noch nicht ganz fertig.

Aber ist das ein Wunder?

Wie oft habe ich Unternehmen-Aufbauen vorher denn schon gemacht?

Wie oft habe ich diesen Prozess aus der Nähe verfolgt?

Na eben – noch nie nämlich.

Manches kann ich mir vorstellen, anderes nicht.

Manche Ecken liegen dick im Nebel verdeckt, an anderen Stellen reißt er auf und der Bildausschnitt ist kristallklar.
Ob es gelingt?

Ich weiß es nicht, aber ich wünsche es mir.

Unabhängig vom eventuellen Ergebnis werde ich mich nicht mehr davon abhalten lassen, ob ich mir vorstellen kann, wie genau das klappen soll.

Ein Beispiel für einfache Visualisierungs-Aufgaben:

Wenn ich koche, fällt es mir sehr leicht, mir vorher vorzustellen, was das Ergebnis werden soll, wie es schmeckt, wie es aussieht auf dem Teller. Dann tue ich die Schritte dort hin und habe ich mein Ergebnis.

Das geht wunderbar, weil ich schon oft gekocht habe, weiß wie die Zutaten schmecken und Erfahrung darin habe, wie man zu bestimmten Ergebnissen kommen kann.

Dass mir diese Vorstellung so leicht fällt, heißt noch lange nicht, dass ich Koch werden sollte.

Es heißt nur, dass mir die Vorstellung nahe liegt.

Zum Glück habe ich inzwischen gelernt, dass ich Dinge tun kann, ohne mir vorher ihren Erfolg vorstellen zu können.

Ich tue letztlich den nächsten kleinen Schritt und noch einen – und nach Schweiß, Tränen und Haareraufen stehe ich plötzlich wieder auf einem Berggipfel, den ich erklommen habe.

Und wundere mich, wie ich das geschafft habe.

„Das hätte ich mir vorher nie vorstellen kennen!“

Eben! 🙂

Ich muss mich nur selbst regelmäßig daran erinnern – und Dich möchte ich auch daran erinnern.

Das ist also mein Tipp für Dich als Lebens-Abenteurer:

Gib Deinen Traum nicht auf, weil Deine Vorstellungskraft heute nicht dafür reicht.

Füttere Deine Vorstellung sanft und beharrlich mit kleinen Bissen von allem an, das in die richtige Richtung weist.
Gib Dir und Deiner Vorstellungskraft Zeit, in Eure gemeinsame große Zukunft hineinzuwachsen.

Du wirst wachsen und Deine Vorstellungskraft mir Dir.

Gemeinsam werdet Ihr mehr und mehr Träume zur Realität machen.

[Das Bild ist von Skeeze auf Pixabay – vielen Dank!]

Kristin Reinbach

Kristin ist Gründerin des Clubs. Sie testet und entwickelt Inspirationen und Tools für Dein Selbst-Coaching für Dich und teilt als Autorin viele erprobte Tipps. Als langjährige Expertin in Sachen Marketing leitet sie außerdem die Boutique Agentur Overw8, die mit Web-Design, Branding & Marketing-Systemen v.a. mittelständische und kleine Unternehmen, Startups & Professionals bei ihren Plänen unterstützt. In ihrem persönlichen Blog teilt sie u.a. Ergebnisse ihrer Lebens-Experimente.